Nov 21 2007

Goseck

Published by Vivianne

Goseck
Auf dem Schreibtisch türmten sich Bücher und Akten, so dass man nicht erkennen konnte, ob jemand daran saß. An den Wänden standen Regale, deren Böden sich unter der Last der Bücher durch bogen. Nur mit Hilfe eines Zaubers waren sie noch nicht durchgebrochen.
Man konnte kaum glauben, dass sich diese Masse an Wissen in nur 3 Jahren angesammelt hatte, seitdem Harry und Hermine im Ministerium arbeiteten. Sie untersuchten Muggelfunde auf Verbindungen in die Zaubererwelt, um zu verhindern, dass Muggel bei ihren Grabungen auf Relikte der Zauberwelt stießen oder bei Nachforschungen Hinweise auf die Welt der Magier fanden, war ebenso ihre Aufgabe wie das Aufspüren von eben diesen Relikten und verloren gegangenem Wissen.
Ein Zettel mit Flügeln schwebte herein, erhob sich mit zwei sanften Flügelschlägen über die Büchertürme und ließ sich auf dem Schreibtisch nieder.Im Sonnenobservatorium bei Goseck wurden Zeichen entdeckt, die auf die Gründer von Hogwarts Rückschlüsse zulassen.
Portschlüssel liegt bei.
Abreise noch heute!
Harry las das Memo noch einmal durch.

“Mine”, rief er über die Türme hinweg, “kommst du mit?”
Hermines Schreibtisch wirkte fehl in diesem Büro. Die Akten befanden sich akkurat geordnet in drei Ablagefächern auf der linken Seite verteilt, rechts daneben lag ein Terminplaner. Davor stand eine längliche Schale, in der eine wunderschöne Pfauenfeder ihren Platz fand. Weiter rechts befand sich ein kleines Tintenfässchen und dahinter war ein Bild von ihr und Ron zu sehen, auf dem sich beide küssten und dann verschämt weg sahen.
“Wohin?”, war ihre Gegenfrage.
“Zum Observatorium”, erwiderte Harry.
“Wann? Und welches Observatorium?”, erkundigte sie sich neugierig.
“Hast du kein Memo bekommen?”, fragte Harry irritiert.
“Nein und wenn dein Schreibtisch nicht einer belagerten Burg gleichen würde, hättest du dies sogar sehen können. Was ist denn los?”, entgegnete sie leicht genervt.
“Es geht um die Gründer, mal wieder was überprüfen. Du bleibst also hier?”, erkundigte sich Harry nochmals, als er sich hinter seinem Schreibtisch erhob.
“Ja, ich habe sowieso einen Termin beim Arzt.”, gab sie ihm Auskunft.
“Goseck, irgendwo habe ich diesen Namen schon einmal gelesen?”, murmelte Harry abwesend, der mittlerweile vor einem der Regale stand und nach einem bestimmten Buch suchte.
“Ich bin nun weg”, sagte Hermine, als sie ihre Handtasche nahm und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
“Wie, du gehst schon?”, fragte Harry sichtlich irritiert.
“Ich sagte doch gerade eben, ich habe einen Arzttermin”, antwortete sie gereizt, als sie sich noch einmal im Türrahmen umdrehte. “Und vergiss nicht, in zwei Wochen wieder da zu sein. Du kannst dich nicht wieder drücken. Diesmal kommst du. Ginny wird wahrscheinlich auch da sein.”
“Hui, schon wieder? Erst ist sie ein Jahr lang weg und nun kommt sie gleich zweimal in einem Monat her?”, bemerkte er kopfschüttelnd.
“Diesmal kommt Dean auch mit”, fuhr Hermine fort.
“Ach so, Vorstellung bei Molly und Arthur”, entgegnete er abwesend.
“Quatsch, die war’n doch schon zu Silvester in den Staaten. Also dann, viel Glück”, sagte sie schließlich kopfschüttelnd und ließ einen nun gänzlich verwirrten Harry zurück.
Wie, Ginny war mit Dean schon mindestens ein halbes Jahr zusammen und er hatte gerade mal an diesem Wochenende davon erfahren und er hatte nicht einmal mitbekommen, dass seine, nun ja, man könnte sagen Adoptiveltern, über Silvester nicht da waren. Seit mit Adrian Schluss war, hatte er sich zwar zurückgezogen, aber dass er kaum noch etwas von seinen Freunden und seiner Familie mitbekam, wollte er kaum glauben. Er schüttelte den Kopf und versuchte damit, diesen wieder frei zu bekommen. Wenn er wieder da war, musste er mit Hermine reden.
Jetzt hieß es aber erstmal, Goseck zu finden. Als er wieder zum Regal blickte, sah er auch das Buch, was er gesucht hatte.
Bauwerke der Druiden.
Er klemmte sich das Buch unter seinen rechten Arm, nahm den Portschlüssel und ging aus dem Büro zu den Aufzügen.

Harry stieg aus dem Kamin und klopfte sich auf dem Läufer den Ruß vom Hemd und von der Hose.
“Willkommen zu Hause, Master. Haben Sie einen Wunsch?”, quiekte Harrys Hauself.
“Hallo, Dobby, das mit dem Master kann ich dir wohl nicht abgewöhnen? Kannst du mir Sachen für ein paar Tage zusammenpacken?”
“Jawohl, Master. Im Speisezimmer steht ein Salat für Sie bereit”, sagte Dobby und mit einem Plopp war er verschwunden.
Harry ging durch den Salon in das angrenzende Speisezimmer. Auf dem großen Tisch stand an der Stirnseite ein großer Teller mit gemischtem Salat, der mit Putenstreifen und Käseraspeln verziert war. Das Dressing befand sich in einer kleinen Karaffe, die links neben dem Teller stand. Ein Glas Kürbissaft stand ebenfalls bereit und wartete darauf, geleert zu werden. Harry ließ sich mit einem Seufzer auf den Stuhl fallen. Das Buch und den Portschlüssel legte er rechts neben den Teller. Der Saft tat seinem ausgetrockneten Hals gut. Auch sein Magen freute sich über das leichte Essen. Nachdem er aufgegessen hatte, nahm er das Buch zur Hand und suchte Informationen über das Sonnenobservatorium bei Goseck.

Vor rund 7000 Jahren entstand diese kreisrunde Anlage mit fünfundsiebzig Metern Durchmesser (in der Nähe des heutigen Ortes Goseck in Sachsen Anhalt/Deutschland) und diente nachweislich als Sonnenobservatorium. Im Gegensatz zu allen anderen “Kreisfunden”, die alle vier Tore besaßen, hat das Gosecker Observatorium nur drei Pforten. Von der Mitte des Kreises aus konnte durch das erste Tor exakt der Sonnenaufgang und durch das zweite Tor der Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende am 21. Dezember vor ca. 7000 Jahren beobachtet werden.

Also, Deutschland hieß sein Ziel. Er stand auf und begab sich in sein Zimmer. Nach einer kurzen Handbewegung lag ein Pergament auf seinem Schreibtisch.
Wie hart war doch damals das Training gewesen, ehe er das erste Mal ohne Zauberstab eine Feder schweben lassen konnte. Aber Hermine war hartnäckig geblieben. Jeden Tag saß sie mit ihm in der Bibliothek und übte, bis er erschöpft war. Und endlich, nach mehr als einem Monat konnte er die Feder in Hermines Hand schweben lassen ohne einen Zauberstab zu benutzen.
Sein Blick wanderte wieder zu dem Blatt vor ihm.

Wetter in Sachsen Anhalt am 31. Mai 2003: Sonnig und warm, Temperaturen ca. 30°C. Keine Bewölkung.

Er legte Unterwäsche sowie dunkle Leinenhose und ein cremefarbenes Hemd auf sein Bett und entledigte sich seiner Kleidung, bevor er ins Bad ging. Eine viertel Stunde später war er auf dem Weg in das Speisezimmer, wo das Buch und der Portschlüssel geduldig auf dem Tisch warteten.
Plopp.
“Dobby, kannst du Hermine das Buch bringen?”, fragte Harry und reichte Dobby den Folianten. Der Hauself nickte. “Danke. Ich denke, ich werde in drei Tagen wieder da sein. Mach dir eine schöne Zeit.”
“Master, der Koffer steht im Salon bereit.”
“Danke.”
Den Koffer verkleinerte er mit einem gemurmelten Spruch und steckte ihn in seine Hosentasche. Er vergewisserte sich noch, dass er den Zauberstab auch mitgenommen hatte und aktivierte den Portschlüssel

***

Nachdem er wieder festen Boden unter den Füßen hatte, sah sich Harry um. Er stand auf einer Lichtung. Schon nach wenigen Schritten hatte er sich orientiert und lief nun geradewegs Richtung Observatorium. Die Sonne war schon längst untergegangen und es war eine sternenklare Nacht. So brauchte er seinen Zauberstab nicht benutzen um nicht unnötig auf sich aufmerksam zu machen, obwohl in dieser Gegend um diese Uhrzeit selten Muggel unterwegs waren. Nach einem kleinen Fußmarsch hatte er sein Ziel erreicht. Die Ausgrabungen der Muggel hatten gerade erst begonnen. Es waren vereinzelt Gruben zu erkennen, wo die Archäologen schon die ersten Steine des Kreises freigelegt hatten. Harry murmelte ein paar Worte und das Observatorium strahlte nur für seine Augen sichtbar in seiner vollen Pracht. Den äußeren Ring aus grob gehauenen Granitblöcken konnte er sehen. Nur drei Tore gaben die Sicht nach innen frei. Wie feierlich mussten doch die hier durchgeführten Zeremonien gewesen sein. Selbst jetzt, tausende Jahre später, konnte man den Geist der Druiden noch spüren.
Harry’s Blick glitt an den Steinen vorbei und suchte am Boden nach einem Hinweis. Neben dem Tor gen Osten sollte sich eine Tür befinden. In den langen Schatten der Findlinge konnte er kaum etwas sehen. Also ging er langsam am Tor entlang und stolperte. Ein Eisenring war ihm zum Ärgernis geworden. Er griff nach diesem und hob die Falltür an.
Ein modriger Geruch schlug ihm entgegen. Etwas angewidert betrat er die Treppe und folgte ihren Steinstufen. Schon nach wenigen Schritten versank die Umgebung in vollkommener Dunkelheit. Mit einem Wink seiner rechten Hand schloss er die Tür.
“Lumos.”
Der Tunnel wurde erhellt und jeder von Harrys Schritten hallte in dem Gewölbe wider. An den Wänden flossen kleine Rinnsale, so dass er aufpassen musste, nicht in eine der schmierigen Pfützen, die sich am Boden mit Algen gebildet hatten, auszurutschen und die Treppe herunter zu fallen. Endlich hatte er die letzten Stufen erreicht und betrat einen niedrigen Gang. Mit seinen 1.80 m konnte er diesen nicht aufrecht beschreiten. Die Wände schienen mit den wundervollsten magischen Tieren und Sagengestalten bemalt zu sein. Beim näheren Hinsehen erkannte man allerdings, dass sich Moose und Algen von dem Wasser, welches durch den Felsen drang, ernährten und diese phantasievollen Bilder ergaben. Immer wieder sah Harry Metallösen an den Wänden, in welchen vereinzelt noch Fackeln steckten. Vorsichtig ging er den Gang entlang. Schließlich war im Fels auf der linken Seite eine Tür eingelassen.
“Alohomora.”, murmelte er.
Schon sprang das Schloss auf.
Harry sprach erneut “Lumos” und schritt bedächtig durch die Tür. Kaum dass er den Raum betreten hatte, entflammten Kerzenleuchter in seiner Nähe. Als er sich erschrocken umsah, erkannte Harry, dass er auf einer Art Galerie stand. Achtsam ging er zur Brüstung mit dem Zauberstab in der rechten Hand, immer darauf gefasst angegriffen zu werden. Vorsichtig blickte er in die sich vor ihm ausbreitende Tiefe, einen Boden konnte er nicht erkennen. Nur der angedeutete Bogen, dem die Wand folgte, ließ erahnen, dass der Raum rund war. Regale, die schier überquollen mit Büchern und Pergamenten, waren in den Stein eingelassen und füllten den Raum. Am rechten und linken Rand der Empore konnte Harry Stufen erkennen, die hinab führten. Er trat von dem Steingeländer zurück und sein Blick wanderte auf den Boden. Was er da sah, konnte er kaum glauben. Ungläubig starrt er auf das eingelassene Mosaik eines Adlers.
Das Wappentier von Rowena Ravenclaw.
Sollte dies hier ihre sagenumwobene Bibliothek sein?
“Und nach was soll ich hier suchen?”, stöhnte Harry. “Wenn man mal Hermine braucht, ist sie nicht dabei. Klasse.”
Langsam ging er die Treppe zu seiner Rechten hinunter. Die Kerzenleuchter auf dem Geländer aus Stein schenkten ihm das nötige Licht um in den Regalen die Bücher erkennen zu können. Kleine Schilder mit verschnörkelter Schrift waren am Holz befestigt.
Kräuter des Meeres
Kräuter fließender Gewässer

Es schien doch ein System in dieser Bibliothek zu geben. Er bemerkte, dass die Kerzenleuchter hinter ihm ausgingen, sobald er sich entfernte und vor ihm die Kerzen entzündet wurden, je näher er diesen kam. So konnte er nur einen kleinen Teil der Bibliothek erkennen. Nach etlichen Stufen kam er an einem Schild vorbei
Persönliche Aufzeichnungen
Diese Sammlung schien mehrere Dutzend Bücher zu umfassen. Alle konnte er nicht mitnehmen. Also musste er die Bücher einzeln nach Hinweisen durchgehen, das konnte dauern.
‘Ich sollte mich mal nach einem Schlafplatz umschauen. Es muss doch schon nach Mitternacht sein.’
Kaum dass er diesen Gedanken gedacht hatte, fiel sein Blick auf eine Tür, die zwischen den Regalen verborgen war.
Die ist doch eben noch nicht da gewesen’, murmelte Harry in Gedanken.
Vorsichtig ging er auf die Tür zu und öffnete diese. Er murmelte ein paar Sprüche, um festzustellen, ob der Raum irgendwelche Gefahren barg. Doch kein Zauber schien auf ein Risiko hinzudeuten. So betrat er vorsichtig das Zimmer. Sein Blick fiel zuerst auf ein Bett, welches an der linken Wand stand. Er schaute sich weiter um und sah einen Kleiderschrank und daneben einen Stuhl. In der linken Wand war eine Tür eingelassen. Hinter ihr befand sich, wie Harry nach dem Öffnen heraus fand, ein kleines Bad mit einer Waschschüssel und einem Krug Wasser. Beides stand auf einem Waschtisch an der Wand, an der auch ein kleiner Spiegel hing. In einer Nische fand Harry ein Klosett, das, wie er zu seinem Bedauern feststellen musste, ohne Wasserspülung funktionierte.
Als er wieder in das Zimmer zurückkehrte entdeckte er auf dem Schreibtisch an der Wand ein altes Pergament. Mit nachdenklich gekräuselter Stirn nährte sich Harry dem Pult.

Willkommen Suchender,
nur ein wahrer Nachfahre kann diesen Raum betreten.
Fühle dich wohl in meinem Reich des Wissens und möge deine Suche erfolgreich sein.
R.R.

Warum, konnte er nicht sagen, aber diese Worte lösten bei ihm großes Vertrauen aus, so dass in seinem Inneren ein Gefühl der Sicherheit Platz nahm und so zog er den Koffer aus der Hosentasche, vergrößerte ihn wieder und verstaute seine Sachen in dem Schrank. Nach einer kurzen Wäsche ging er zu Bett. Der heutige Tag war doch sehr lang gewesen und morgen würde er sich ausgeruht den Büchern widmen.

Graue Augen sahen ihn an. Er sah nur die Augen, die nach Hilfe riefen. Er kannte sie und dennoch, er konnte nicht helfen.

Harry schreckte auf. Was hatte er geträumt? Was sollte das? Lange hatte er diese Augen nicht mehr gesehen, oder war es doch erst letzte Woche? Die Person, zu der die Augen gehörten, war doch tot, oder etwa nicht?
Er sah auf seine Uhr, auf der der große Zeiger auf die zwölf zeigte und der kleine in die entgegengesetzte Richtung. Sechs Uhr morgens.
‚Dann kann ich ja gleich aufstehen’, dachte Harry und begab sich in das Bad, in dem Krug befand sich frisches Wasser.
Als er das Zimmer wieder betrat, stand ein kleiner reichlich gedeckter Tisch in dessen Mitte. Harry zog sich an und stellte den Stuhl an den Tisch und nahm sich Obst und Brot. Nachdem er seinen Hunger gestillt hatte, verließ er das Zimmer. Kaum dass die Tür ins Schloss gefallen war, wurde er sich der Helligkeit in der Bibliothek bewusst. Langsam schaute er nach oben und sein Blick fiel auf eine riesige Kuppel, die verzaubert zu sein schien, so wie sich das morgendliche Sonnenlicht seinen Weg durch das Gestein bahnte. Da das Licht durch das Gestein gebrochen wurde, funkelte es in der Kuppel in allen Farben des Regenbogens und in der Bibliothek wurde kaum noch eine Fackel benötigt, denn das Licht wurde durch Spiegel, die systematisch angeordnet waren, in alle Tiefen des Raumes gelenkt. Nun konnte er auch die vielen Treppen erkennen, die sich an der Wand neben den Regalen in alle Richtungen entlang wanden und auf balkonähnlichen Vorsprüngen, die durch Bänke und Tische zum Studium der unzähligen Bücher einluden, trafen. Mit einem Seufzer wandte er sich den Regalen zu.
‚Reihenfolge oder intuitiv?’ , überlegte er. Sein Blick glitt über die verschiedenen Bücher, die Rücken waren nur selten beschriftet. ‘Also Reihenfolge.’
Harry nahm sich das erste Buch. Es handelte von Rowenas Kindheit. – Uninteressant.
Mindestens vier weitere Bücher folgten. Er fand Bücher über unterschiedliche Zauberei. Weiße und schwarze Magie. Mehrere Bücher beschrieben die Gründung Hogwarts. Meist überflog er diese nur und entschied sich dann, ob er sie auf den Tisch legte, um sie mit nach London zu nehmen, oder sie wieder zurück in die Regale stellte. An den ersten beiden Tagen fand er kaum Bücher, die ihn wirklich interessierten. Wie jeden Tag nach dem Frühstück ging er an die Arbeit. Er hatte auch schon fast alle durchgeschaut, als sein Blick auf eine Sammlung von Hand gebundener Büchern fiel. Hier wurde es wirklich interessant. Es handelte sich um Aufzeichnungen, die die Zeit nach der Gründung Hogwarts behandelten. In ihnen wurde von einem Geheimbund berichtet.

~*~*~*~

“Guten Morgen, Mum.”, murmelte ein unausgeschlafener junger Mann.
“Alles Gute zum Geburtstag, Schatz”, entgegnete die blonde Frau und nahm ihn herzlich in die Arme, so als ob sie ihn nie wieder loslassen wollte, strich ihm eine Strähne des langen braunen Haares aus dem Gesicht und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, wobei sie sich auf die Zehenspitzen stellen musste, da ihr Sohn sie um fast einen Kopf überragte. Als sie sich von ihm löste, gab sie ihm ein kleines Kästchen.
“Mum, das wäre doch nicht nötig gewesen.”
“Draven, man wird nur einmal zweiundzwanzig. Also nimm es.”
“Danke”, sagte er und küsste sie nun ebenfalls auf die Stirn.
Draven öffnete das Geschenk und sah einen Ring aus Silber, in dessen schlichter Fassung ein farbloser diamantähnlicher Stein eingelassen war.
“Es ist ein Familienerbstück”, sagte sie, als sie das erstaunte Gesicht ihres Sohnes erblickte. “Ich denke, es wird Zeit, dass du ihn bekommst. Probier ihn mal an.”
Kaum dass er den Ring an seinen rechten Ringfinger gesteckt hatte, änderte sich die Farbe des Steins in ein wunderschönes Grün. Draven sah seine Mutter verwirrt an. Sie selbst schien genauso erstaunt zu sein.
“Seltsam.” Das war das einzige Wort, was Draven von seiner Mutter hörte.
Er sah sich den Stein nochmals an und die Farbe erinnerte ihn an etwas, an jemanden. Aber das war bestimmt nur ein Zufall.

“Mum, ich geh noch schnell einkaufen. In einer Stunde bin ich wieder da.”
“Aber, warum?” Sie ahnte, warum er noch mal weg wollte.” Wir können doch heute auch mal essen gehen. Zur Feier des Tages.”
“Mum, ich weiß, wie ungern du aus dem Haus gehst. Und du weißt doch auch, dass ich zu gern koche.” Er ließ keine Widerrede zu, nahm die Schlüssel vom Sideboard, ging zur Wohnungstür und schloss diese hinter sich.
“Ich hätte es wissen sollen”, murmelte sie nachdenklich. “Aber nun lässt es sich nicht mehr ändern.”

Nach einer guten Stunde war Draven wieder da. Kaum dass er die Einkaufstüten, die er mitgebracht hatte, ausgepackt hatte, stellte er auch schon einen Topf mit Wasser und Reis auf die Herdplatte. Als nächstes schnitt er das Hühnchenfleisch klein und legte es in Sojasoße ein. Anschließend begann er, das Gemüse klein zu schneiden und fein säuberlich getrennt in kleine Schüsseln zu verteilen. Mit Reiswein, Ketchup, Zucker, Reisessig und Stärke rührte er eine Soße an. Nachdem er alles so weit vorbereitet hatte, nahm er den Wok und frittierte in dem erhitzen Öl das Fleisch. Anschließend schwenkte er das Gemüse wenige Minuten im Wok und löschte es mit der Soße ab. Er füllte den Reis in eine abdeckbare Schüssel. Das süßsaure Hühnchenfleisch richtete er auf einer Platte an. Beides stellte er auf ein Tablett und ging damit ins Wohnzimmer, wo seine Mutter den Tisch hergerichtet hatte. Auf einer grünen Damastdecke standen zwei viereckige weiße Teller, an deren Rand sich asiatische Schriftzeichen in Silber befanden. Neben diesen lagen schwarz lackierte Holzstäbchen. Rechts neben den Stäbchen stand ein schlichtes Weißweinglas. Draven stellte die Platte auf das Stövchen, welches in der Mitte des Tisches stand und die Schale mit dem Reis daneben. Als sich beide gesetzt hatten, nahmen sie die Gläser in die Hand.
“Auf dein Wohl”, sagte sie. Er nickte ihr zu und beide setzten die Gläser an die Lippen.

~*~*~*~

Harry vergewisserte sich, dass auch alle Bücher, die er aussortiert hatte, verkleinert waren und in einer Umhängetasche verstaut waren. Wehmütig ging er die unzähligen Stufen zum Ausgang der Bibliothek hinauf. Auf der Empore schaute er noch mal zurück, trat durch die Tür und verschloss diese vorsichtig. Nach wenigen Schritten hatte er die Treppe erreicht und öffnete die Falltür über sich. Als er keine Menschenseele sah, schlich er sich schnell heraus und murmelte einige Worte. Die Falltür verschwand und statt ihr war nur noch eine Steinplatte zu sehen. Harry schritt langsam Richtung Wald. Als er weit genug hinein gegangen war, aktivierte er den Portschlüssel und kam in seinem Büro an. Die Umhängetasche ließ er neben seinen Schreibtisch zu Boden gleiten. Trotz des Verkleinerungszaubers hatten die Bücher immer noch genügend Gewicht, von dem er froh war, seine Schulter befreien zu können. Sein Blick wanderte durch das Büro. Sein Schreibtisch quoll über, die Regale platzen aus allen Nähten.
‘Ich glaub, ich sollte mal aufräumen’, ging es ihm durch den Kopf.
Hermine war auch nicht zu gegen und als er auf die Uhr an seinem Handgelenk sah, war ihm auch bewusst, dass sie schon seit zwei Stunden Feierabend hatte. Er sah noch einmal auf die Umhängetasche und nahm die obersten handgebundenen Bücher heraus.

Ein Stunde später saß Harry in seinem Ohrensessel im Salon am Grimmauld Place. Er setzte die Tasse Tee an seine Lippen und ließ die vergangene Woche noch einmal Revue passieren. War es wirklich noch keine sieben Tage her, dass er mit Ginny im Busaba und anschließend im Fridge war? Das Tanzen hatte ihm gut getan. Endlich konnte er mal aus sich raus gehen. Er vergrub sich viel zu sehr. Und vielleicht hatte er ja doch keine Halluzinationen. Ja, er würde heute noch mal Tanzen gehen und vielleicht sah er sie ja wieder. Diese Augen. Aber konnte es wirklich sein? Sollte er anfangen zu hoffen?
Harry stand auf und ging in sein Zimmer. Er legte sich ein grünes kurzärmliges Hemd und eine schwarze Lederhose auf sein Bett und begab sich ins Bad. Frisch geduscht und rasiert kam er eine halbe Stunde später nackt wie Gott ihn schuf aus selbigem wieder heraus. Mit schnellen Bewegungen streifte er das Hemd über und schlüpfte in die Hose, die sich wie eine zweite Haut an ihn schmiegte. Er betrachtete sich im Spiegel, drehte sich, sodass er den silbernen Drachen auf seinem Rücken erkennen konnte, zupfte sich seine Haare zurecht und war mit seinem Erscheinungsbild zufrieden. Abwesend strichen seine Fingerspitzen über das Hemd aus Seide. Wie lange hing es nun schon bei ihm im Schrank? Drei, vier Jahre bestimmt. Hermine hatte es ihm damals zum Geburtstag geschenkt. Nun, sie konnte ja nicht ahnen, dass es wenige Stunden später zum entscheidenden Kampf kommen würde und sich damit alles veränderte. Doch heute schien ihm der Tag genau richtig. Welches Datum war heute eigentlich? 5. Juni.
Sehnsucht breitete sich in ihm aus.
Sehnsucht, die nie wieder gestillt werden konnte.
Sehnsucht, endlich in die Arme genommen zu werden.
Sehnsucht, ihn endlich zu berühren, seine Lippen zu schmecken.
Sehnsucht, in seinen Augen zu versinken.
Oder gab es Hoffnung?
Letzte Woche hatte er kurz gewusst, wonach er sich sehnte, aber er konnte einfach nicht daran glauben, dass er “ihn” gefunden hatte. Wenn er zu hoffen wagte und es doch nur eine Seifenblase war, die plötzlich zerplatzte, wenn man danach griff, würde er daran zugrunde gehen, das wusste er. Erst letztes Jahr war er wieder bereit gewesen, sich auf jemanden einzulassen. Aber daran wollt er heute nicht mehr denken. Er schüttelte den Kopf, wie um diese Gedanken zu vertreiben, nahm die Lederjacke, die hinter der Tür hing und verließ das Zimmer.

~*~*~*~

“So, Mum, ich muss jetzt los.”
“Selbst heute?”, fragte sie traurig.
“Ja, ich bin doch zum Frühstück wieder da”, erwiderte er abwesend.

~*~*~*~

Harry betrat das Fridge und begab sich direkt zur Tanzfläche. Als Erstes suchten seine Augen die Podeste der Gogotänzer ab, doch er wurde enttäuscht. Warum hatte er auch zu hoffen gewagt? So ließ er die Musik in seinen Körper eindringen und gab sich ihr hin. Er wusste nicht, wie lange er schon tanzte, er merkte nur, dass er etwas zu trinken brauchte. Nachdem er die Bar mit einem Glas Cola wieder verließ, stellte er sich neben die Tanzfläche. Erst jetzt fiel ihm auf, dass heute keine weiblichen Gäste anwesend waren. Auch gab es keine Gogotänzerinnen. Und da sah er ihn. Lange braune Haare, die nur von einem Lederband gebändigt wurden. Nun konnte Harry die Tätowierung auch besser erkennen. Ein Löwe saß majestätisch auf seinem Rücken. Hinter ihm stand ein Drache mit ausgebreiteten Flügeln. War es die flackernde Discobeleuchtung oder bewegten sich die Flügel wirklich? In diesem Moment wurde er angerempelt und ein Cocktail verteilte sich über seine Hose.
“Entschuldigung”, stammelte der Verursacher des Unglücks. Harry nahm ein Taschentuch und trocknete seine Hose.
“Ist ja schon gut”, sagte er und wandte seinen Blick wieder dem Tänzer zu.
“Mist”, entfuhr es ihm, denn das Objekt seiner bisherigen Beobachtung war verschwunden.
“Könnte ich das mit einem Drink wieder gutmachen?”, drang eine zittrige Stimme an Harrys Ohr. Leicht verwirrt drehte sich der Angesprochene zu ihr um.
“Nein”, war Harrys schroffe Antwort.
Er schaute noch einmal Richtung Tanzfläche und als er den Tänzer nicht mehr finden konnte, verließ er schlecht gelaunt die Discothek.

“Guten Morgen”, murmelte Harry noch etwas verschlafen, als er das Büro betrat.
“Morgen ist gut. Wir haben fast elf Uhr”, entgegnete Hermine genervt.
“Es ist gestern etwas spät geworden”, entschuldigte sich Harry, da ihm bewusst wurde, dass Hermines Laune heute nicht die beste war.
“Vom Observatorium?”, erkundigte sie sich.
Harry schüttelte den Kopf.
Hermine zog eine Augenbraue nach oben.
“Du warst aus?”, hakte sie nach und war sichtlich irritiert.
“Tanzen.”
Harry sah sie beunruhigt an.
“Och, wie kommt’s?”, fragte sie neugierig.
“Mir war danach”, rechtfertigte er sich genervt und fühlte sich sichtlich unwohl in diesem Frage-Antwort-Spiel.
Hermine merkte, dass ihm etwas auf der Seele brannte, aber sie kannte ihn auch gut genug, um zu wissen, dass er erst mit ihr darüber reden würde, wenn er dazu bereit war. Nachfragen würde nur dazu führen, dass er sich vor ihr verschloss.
“Ich bin schon froh, dass du dich nicht mehr zurückziehst. Wie war’s in Goseck?”, fragte sie ausweichend, um das Thema zu wechseln.
Bei Harrys Beschreibung der Bibliothek und dem Wissen, welches darin verborgen lag, ärgerte sich Hermine, dass sie kaum noch raus kam. Aber apparieren war für sie viel zu schwierig geworden.

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