Nov 21 2007
Abendessen bei Wealeys
Abendessen bei Weasleys
Die Schlange glitt langsam auf den Löwen zu. Dieser knurrte bedrohlich, versuchte anscheinend irgendetwas zu verteidigen. Man konnte nicht genau erkennen, was es war, da sich der Löwe schützend davor aufgebaut hatte. Die Schlange richtete sich nun auf und suchte mit leicht hin und her schwingenden Bewegungen eine Lücke in der Verteidigung des Löwen. Nach wenigen Sekunden sprang sie auf den Löwen und schlängelte sich um dessen Hals. In diesem Moment ertönte ein lauter Schrei und Krallen packten den Körper der Schlange.
Harry fuhr erschrocken auf. Schon wieder träumte er von diesem Kampf. Konnte es sein, dass Voldemort doch nicht tot war? Aber er sah doch selbst, wie Riddle zu Staub zerfallen war.
Der Turm stürzte ein und dadurch war Voldemort abgelenkt. Ginny und Hermine schossen ihm gemeinsam einen Fluch entgegen. Riddle erstarrte, es sah so aus, als ob er in Sekundenschnelle austrocknete. Als sich schließlich nur noch seine Haut über die Knochen spannte, beendete Harry den Kampf mit einem “Pulvis oritur” und an der Stelle, wo vorher noch der Schwarzmagier gestanden hatte, war nur noch ein Häufchen Staub zu sehen. Eine kleine Flamme entstand aus der Asche, die schlussendlich von Voldemort übrig geblieben war.
Harry schüttelte den Kopf und versuchte, wieder klar zu denken. Er wollte nicht weiter an den Tag vor fast vier Jahren zurückdenken. Zu viele Menschen, die er geliebt hatte, hatte er sterben sehen. Er stand langsam auf und ging ins Bad, wo er sich unter die Dusche stellte und mit eiskaltem Wasser versuchte, die düsteren Gedanken zu vertreiben.
Schon nach ein paar Kurven nach einem Dorf kam ein kleines, mit Erkern verwinkeltes Haus zwischen den grünen Hügeln zum Vorschein. Vor zwei Jahren hatte Hermine hier ein herunter gekommenes Haus entdeckt. Harry schüttelte den Kopf, als er daran dachte, wie Hermine ihm und Ron von einem wunderschönen Schatz, den sie zufällig mit Ginny entdeckt hatte und dass das Haus ein wahres Schnäppchen sei, erzählt hatte. Ein Grinsen stahl sich auf seine Lippen. Ohja, ein Schnäppchen war es wirklich gewesen. Nur wenige Pfund wechselten damals den Besitzer. Dafür haben sie aber auch fast ein Jahr daran geschuftet. Und nun war aus dem hässlichen Entlein ein wunderschöner Schwan geworden. Man konnte kaum noch erahnen, wie verfallen dieses Haus einstmals gewesen war. Von Bruchbude keine Spur mehr. Stattdessen strahlte das Haus mit einem neuen Anstrich in einem abgedunkelten Grün. Die Bretter vor den Fenstern waren entfernt und neue Fenster mit weißem Holzrahmen waren eingesetzt worden. Auch die Holzbalken, die nicht nur der Verzierung dienten, setzten sich durch den weißen Anstrich gut ab. Immer wieder waren viktorianische Muster auf den Wänden zu finden.
Harry bog in die Einfahrt. Der Motor des schwarzen Mustangs erstarb und Harry stieg aus dem Wagen. Schon nach wenigen Schritten hatte er das kleine Tor in der niedrigen Hecke, die sich um den Vorgarten schlängelte, erreicht und es öffnete sich wie von Geisterhand. Er folgte dem schmalen mit Kieselsteinen belegten Weg durch den wild arrangierten Steingarten zu der Holztreppe, die hinauf zur Veranda führte. Langsam stieg Harry die Stufen hinauf und trat an der Schaukel vorbei zur Haustür. Als er anklopfen wollte, wurde ihm schon die Tür vor der Nase geöffnet. Ron stand da und hatte ein breites Grinsen im Gesicht.
‘Was wird das heute wieder?’, fragte sich Harry und sagte: “Hallo.”
“Hi, schön, dass du endlich Zeit gefunden hast”, entgegnete Ron gut gelaunt und machte den Weg frei, so dass Harry eintreten konnte.
Vor ihm erstreckte sich der Flur. Geradeaus führte eine Treppe in das Obergeschoss. Ron führte ihn nach rechts, wo sich der Salon befand, der in warmen Rottönen gehalten war. Links von der Tür war der Kamin in der Wand eingelassen. Auf dem Sims stand eine Schale mit Flohpulver. Wie viel Papierkrieg es Hermine gekostet hat, dieses Haus an das Flohnetzwerk anschließen zu lassen, wollte Harry erst gar nicht wissen. Im Erker gegenüber war eine Sitzgruppe aus verschiedenen Sesseln arrangiert. Gegenüber der Tür waren große Fenster in die Wand eingelassen, so dass das Zimmer durch die Abendsonne mit gelbroten Sonnenstrahlen durchflutet wurde. An den Wänden neben der Tür und dem Kamin standen Regale, die unter der Last der Bücher, welche Hermine sammelte, zusammenzubrechen drohten. Allein einigen Zaubern war es zu verdanken, dass das Holz hielt.
“Ein Drink?”, fragte Ron.
“Nein, Kürbissaft reicht.”
“Einen Versuch war’s wert”, schmunzelte Ron und ging zu den Fenstern, wo sich unterhalb eine kleine Bar befand. Er nahm zwei Gläser aus dem kleinen Schränkchen und einen Krug von der Anrichte.
In Harrys Augen blitzte kurz der Schalk auf und er schüttelte den Kopf.
“Ich bin mit dem Auto da.”
“Hab’s schon geseh’n. Kannst ja auch hier übernachten. Du weißt, für dich ist hier immer ein Bett frei…” Er goss Saft in ein Glas und nahm den Sherry zur Hand.
“Nee, lass mal. Ich wache zu gern in meinem Bett auf.”
Ron reichte ihm nun das Glas mit Kürbissaft.
“Du könntest aber mit uns auch noch frühstücken und müsstest nicht…” Ron konnte den Satz nicht beenden. Zielsicher traf er immer wieder den wunden Punkt. Harry seufzte und sah Ron nachdenklich an, der nun erst einmal einen Schluck Sherry nahm.
“Ron?”
“Ja?” Harry klang diesmal nicht vorwurfsvoll. Nur Ron bemerkte es kaum, da er sich zu sehr schämte, wieder ins Fettnäpfchen getreten zu sein.
Harry rang mit sich. Sollte er seinem besten Freund von seiner Vermutung erzählen?
“Essen ist fertig”, ertönte in diesem Moment eine fröhliche und befehlsgewohnte Frauenstimme.
Hermine stand im Türrahmen, durch den die beiden besten Freunde vor wenigen Minuten den Salon betreten hatten.
“Störe ich gerade?”
Ihr war Harrys Blick nicht entgangen. Sie wusste, dass ihm etwas auf der Seele brannte und schalt sich innerlich, dass sie zu so einem unpassenden Zeitpunkt hereingeplatzt war.
“Nein, Herm”, meinte Harry, schüttelte den Kopf, um die Gedanken wieder zu ordnen und lächelte sie an. Er nahm seine rechte Hand kurz hinter seinen Rücken, um sie wieder schwungvoll nach vorne zu ziehen und Hermine einen wunderschönen Sommerblumenstrauß zu überreichen.
“Danke, Harry”, freute sie sich und wurde etwas rot um die Nase. Er ging auf sie zu und umarmte sie.
“Ich weiß doch, dass du diese Blumen magst.”
In diesem Moment betraten Ginny und ein junger Mann den Salon.
“Wollt ihr heute noch essen?”, fragte sie.
“Meine Herzdame”, sagte Harry, holte mit der rechten Hand erneut eine einfache Rose, deren Blütenblätter in flammendem Rot erstrahlten, hinter seinem Rücken hervor und gab ihr diese mit einem Kuss auf die Wange.
“Und du musst Dean sein.”
Harry ging auf den jungen Mann zu und reichte ihm die Hand. Dieser wirkte etwas verlegen, ergriff aber dennoch die ihm dargebotene Hand. Ginny hackte sich bei ihm ein, da sie seine Unsicherheit bemerkt hatte.
“Ja, Dean Miller. Und Sie sind Harry Potter”, antwortete er etwas steif.
“Hey, mach’ mich nicht so verlegen, so alt bin ich auch noch nicht. Ich bin Harry und sag’ bitte “du” zu mir”, meinte Harry vergnügt.
“Okay, Harry.” Man spürte förmlich, wie bei Dean die Anspannung nachließ.
“Ich hab gehört, du sollst ganz passabel fliegen.”
“Na ja, ich hab mal Quidditch gespielt.” Dean wurde rot um die Nase.
“Nun untertreibst du aber”, mischte sich Ginny ein. “Er war in der Nationalmannschaft”, sagte sie anerkennend nickend und hakte sich bei Harry mit ihrem freien Arm ein und dirigierte beide in das Esszimmer.
Dort erwartete sie ein reich gedeckter Tisch. Es standen Salate darauf, die mit Dressings und Dips angerichtet waren, ebenso auf diesem, wie kleine Körbe mit verschiedenen Brotsorten. Frische Blumen und Blätter wanden sich dekorativ zwischen dem Geschirr. Ron und Hermine setzten sich Ginny und Dean gegenüber, so dass Harry am Stirnende Platz nehmen musste. Er fühlte sich etwas desorientiert. Immerhin war er nicht der Gastgeber. Und Ehrengast wollte er auch nicht sein. Na ja, aber eigentlich ging es ja auch nicht anders.
Kaum dass sie saßen, vertieften sich Harry und Dean in ein Gespräch über Quidditch, bei dem sich Ron ebenfalls beteiligte. Nebenbei ließ Harry seinen Blick immer wieder über den Tisch schweifen. Ginny probierte die Brotsorten aus und nahm nun ein Glas Wein zur Hand. Dean hatte seinen Teller mit Salat aufgefüllt und trank wie Ron ein Butterbier. Bei Hermine stutze er. Sie aß Salat, was nicht weiter verwunderlich war. Allerdings trank sie nur Kürbissaft. Normalerweise hätte sie mit Ginny zusammen einen Merlot Blance getrunken, so gut kannte er sie doch, oder? Ihm kam nun ihr verändertes Verhalten im Büro in den Sinn. Sie begleitete ihn kaum noch auf Missionen und hatte öfters Termine beim Arzt. Bei welchem Arzt eigentlich?
“Harry, was ist mit dir?”
Mit diesen Worten wurde er von Ginny aus seinen Gedanken gerissen. Er sah langsam von Hermine, die ihn wissend anlächelte, zu Ginny herüber.
“Du wusstest es”, sagte er zu ihr.
“Natürlich weiß sie es”, gab Hermine lächelnd zu.
Harrys Gesicht wandte sich wieder seiner besten Freundin zu.
“Und wann hätte ich es erfahren sollen?” Harry verstand seine besten Freunde nicht.
“Wie oft haben wir versucht, dich zum Essen einzuladen und du hast immer wieder aus fadenscheinigen Gründen abgelehnt?”, blaffte Ron ihn an.
Ron traf voll ins Schwarze. Ja, er hatte sich zurückgezogen. Er wollte nur noch allein sein. Der Schmerz saß tief. Zu tief. ER durfte doch nicht noch immer sein Leben bestimmen. Aber war da nicht ein Funken Hoffnung? Auch jetzt sah er die grauen Augen immer wieder vor sich.
“Harry”, wurde er von Ron aus seinen Gedanken geholt, “wir wollten dich heute fragen, ob du Pate werden möchtest?”
Er saß mit offenem Mund da. Wie, das konnte er nicht glauben.
“Wa-wa-was?”, kamen die Worte nur stockend über seine Lippen.
Er sollte was werden? Pate. Damit hatte er nicht gerechnet.
“Ob du gerne der Pate unseres ungeborenen Kindes werden möchtest?”, fragte ihn Ron noch einmal, diesmal hatte er ein breites Lächeln aufgesetzt.
Er und Pate. Er hätte sich dies nie träumen lassen. Langsam fand er sich wieder in der Wirklichkeit ein.
“Ja, sehr gern”, war seine Antwort und dann drehte er sich zu Ginny. “Und seit wann weißt du es?”
“Sie haben mich vor einem Monat gefragt.”
Vor einem Monat. Da war er in Rom gewesen und hatte die Ausgrabungen beobachtet. Natürlich drehte sich das restliche Gespräch beim Essen nur noch um Schwangerschaft, deren Begleitumstände und Quidditch.
Nach dem Dessert gingen alle Richtung Terrasse. Hermine hielt Harry zurück und stellte ihm schließlich die Frage, die sie schon den ganzen Abend über beschäftigte.
“Was ist los?”
“Was meinst du?”, erwiderte Harry abweisend. Er wollte nicht reden.
“Du bist zu viel in Gedanken. Irgendwas bedrückt dich.” Hermine ließ nicht so leicht locker.
Er wusste, dass er vor ihr schlecht etwas verbergen konnte und folgte ihr in den Salon, wo sie ungestört reden konnten. Er überlegte, ob er ihr von seinem Verdacht erzählen sollte. Sie sah seinem innerlichen Kampf wortlos zu, wusste, wenn sie jetzt ein falsches Wort sagte, würde er sich ihr nicht öffnen.
Mit einem Wink standen zwei Gläser Kürbissaft auf dem kleinen Tisch zwischen den Ohrensesseln, auf denen sie Platz genommen hatten.
“Er wird zurückkehren.”
“Wer?”
“Voldemort.”
Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie erinnerte sich, wie er seit zwei Wochen sein selbst gewähltes Exil anfing zu verlassen, aber diese Aussagen passten nicht dazu. Sie sah ihn an und wusste, dass er seine Worte ernst meinte.
“Wie? Seine Asche wurde doch über die gesamte Erde verteilt. Er kann doch nicht wieder erweckt werden?” Unsicherheit machte sich in ihrer Stimme breit.
“Ich weiß es nicht”, murmelte Harry und ließ sich weiter in den Sessel zurückfallen. Mit seiner rechten Hand fuhr er sich über die Stirn und hielt sich die Augen zu. Mit der Hand vor dem Mund fuhr er fort.
“Fast jede Nacht träume ich davon, wie eine Schlange sich gegen einen Löwen erhebt. Und ich habe Angst.” Harry setzte sich auf und griff mit beiden Händen in die Lehnen des Sessels. “Hermine, ich weiß nicht warum, aber ich habe Angst, dass es nicht gut endet. Bis ein Schrei ertönt. Ein Schrei der Hoffnung. Noch bevor die Schlange den Löwen besiegen kann, wird sie fortgerissen.” Zum Schluss wurde er immer leiser und sank wieder in die Polster zurück.
Angespannte Stille erfüllte den Raum. Jeder hing seinen Gedanken nach.
Hermine, die Harry glauben wollte. Aber es waren doch nur Träume. Hatte er nicht damals auch schon Hinweise auf die Hokruxe in seinen Träumen gefunden?
Und Harry, der sich langsam immer bewusster wurde, dass die Hilfe von jemand kommen würde, den er kannte. Aber das konnte nicht sein. Das konnte nicht möglich sein. Und dennoch, dieser Schrei weckte Erinnerungen in ihm. Schon auf der Suche nach den Hokruxen hatte er diesen Schrei in seinen Träumen gehört. Damals hatte er lange gebraucht, ehe er wusste, was dieser Schrei bedeutete, aber nun konnte er sagen, von wem dieser Schrei kam. Aber sollte es wirklich möglich sein? Nein, das konnte nicht sein. Das würde ja heißen, dass er noch lebte? Wenn nur ein kleiner Funke Hoffnung bestehen würde…
“Was ist mit deiner Narbe?”
Harry wurde von Hermines Worten aus seinen Gedanken gerissen. Leicht irritiert sah er sie an. Seine Narbe. Daran hatte er noch gar nicht gedacht.
“Nichts.”
Auch er wunderte sich nun. Hatte er sonst nicht immer durch sie Voldemort spüren können? Bis zum letzten Kampf.
“Merkwürdig”, überlegte Hermine. “Obwohl…”
“Obwohl was?”
“Naja, vielleicht ist es nicht Voldemort selbst?”
“Aber wer könnte sonst Slytherins Nachkomme sein? Voldemort war doch der Letzte?”
“Bist du dir da so sicher?”
Als Harry an jenem Abend nach Hause kam, ging er direkt in sein Schlafzimmer und öffnete die oberste Schublade der Kommode. Er nahm einen kleinen Beutel aus Samt heraus, öffnete ihn und ließ den Inhalt auf seine Hand gleiten.
“Ich habe dich nicht vergessen, mein Drache.”
Bei diesen Worten strich er mit dem Daumen über einen Anhänger aus Silber. Er nahm die Kette und öffnete den Verschluss. Wenig später zierte ein kleiner Drachen mit grau funkelnden Augen seinen Hals.
“Ich werde dich finden.”
Immer noch in Gedanken verweilend, fuhren seine Finger die Konturen des Drachen nach.
Er sah in die grauen Augen. Draco hielt eine längliche Schatulle in seinen Händen.”Alles Gute zum Geburtstag”, sagte er und reichte ihm das Geschenk.
Als sich ihre Hände berührten, spürte er ein Kribbeln, welches sich wie eine Welle in seinem gesamten Körper ausbreitete. Zögerlich öffnete er die kleine Schatulle und erblickte einen Drachen. Bei genauerem Hinsehen erkannte er, dass es ein silberner Anhänger war.
“Draco, er ist wunderschön.”
“Wie du.”Draco nahm den Anhänger aus der Schachtel.
“Ich darf doch?”, fragte er und sah Harry in die Augen.
Dieser konnte nur noch nicken. Harry merkte kaum wie sich langsam Wasser in seinen Augen sammelte, sein Blick glasig wurde. Wie in Zeitlupe nahm er noch wahr, dass Dracos Hände sich um seinen Hals legten und mit langsamen Bewegungen die Kette in seinem Nacken verschlossen. Wie gebannt konnte er nur noch in Dracos Augen sehen. Sein Blick glitt tiefer und blieb an den, wie es ihm schien, sinnlichsten Lippen dieser Welt hängen, welche sich einen winzigen Spalt geöffnet hatten. Unbewusst öffnete er auch seinen Mund ein wenig und sein Gesicht kam Dracos immer näher.
Die Zeit schien still zu stehen.
Beide versanken in dem Anblick des anderen.
“Voldemort ist in Hogwarts.”
Der magische Moment war vorbei.
Harry schloss seine Hand um den Anhänger.
“Ich liebe dich.”
***
Wieder griff die Schlange den Löwen an. Dieser stellte sich schützend vor ein kleines Bündel. Das Fiepen, das aus dem Stoff kam, wurde durch das Zischen der Schlange und das Knurren des Löwen übertönt. Mit einem Schrei stieß ein silberner Drache auf die Schlange hinab, die sich um den Hals des Löwen gewunden hatte, und riss sie mit seinen Krallen fort. Unter Mühen wand sie sich aus den Klauen und suchte ihr Heil in der Flucht. Der Drache landete hinter dem Löwen, der sich dem Bündel wieder zugewandt hatte. Das ängstliche Fiepen war verstummt und der Löwe zog die Lefzen hoch und es sah fast so aus, als würde er den Drachen anlächeln. Die grünen Augen des Löwen sahen den Drachen dankbar an. Aber es lag noch mehr in diesem einen Blick.

