Dez 06 2009

Veränderungen

Published by Vivianne

Titel: Nach dem Kampf ist noch nicht alles vorbei
Autor: Vivianne
Kapitel: Kapitel 5 – Veränderungen
Rating: PG-13
Charaktere: Harry, Hermine, Millicent, Draco
Sprache: Deutsch
Datum: 21.01.2008
Wörter: 1185
Fandom: Harry Potter
Genre: Romance
Disclaimer: Nix mir, alles JK Rowling

Kapitel 5 – Veränderungen

Da stand er nun und wusste nicht so recht, wo er anfange sollte. Draco war direkt in das Haus spaziert und inspizierte das Erdgeschoss.  Und er, Harry, befand sich im Garten, wenn man ihn denn so nennen konnte. So schön ein wilder Garten auch immer aussah, so konnte man hier keine Hochzeit feiern. Die Brombeersträucher überwucherten den gesamten Weg, viel mehr das, was von ihm übrig geblieben war.  Mühsam durchquerte Harry das Gestrüpp zu einem kleinen Schuppen, das neben dem Herrenhaus stand.  Und tatsächlich fand er darin einige Gartenwerkzeuge. Altmodisch zwar, aber, wie es schien, noch immer gebrauchsfähig.

Es wäre sehr viel einfach gewesen, den Garten mit Hilfe von Magie zu erneuern, doch dachte Harry nicht einmal daran, viel zu lange hatte er nur die nötigsten Zauber benutzt, als dass es ihm überhaupt in den Sinn gekommen wäre. Normalerweise reiste er auch auf Muggelart durch England, wenn es denn musste, aber da Draco sich überzeugen wollte, ob das Haus auch wirklich als Ort für die Trauung geeignet war, apparierte er mit Harry hier her.  Die Zauber auszuführen wäre für ihn kein Problem gewesen, aber er weigerte sich noch immer in die Zauberwelt zurück zu kehren.

Draco stand versonnen auf der Terrasse und beobachtete Harry, wie er sich mühsam durch da Dickicht quälte. Die Räume waren passend, wie er dachte. Der große Salon war wunderbar für den Empfang der Hochzeitsgäste geeignet, das Esszimmer nebenan ließ sich auf magische Weise vergrößern, so dass auch darin keine Platznot herrschen würde. Nur mit der Küche, das war noch problematisch, da sie nach Muggelart eingeräumt war. Aber er wäre nicht Draco, wenn er nicht auch dafür eine Lösung finden würde.

Ein Lächeln huschte über Dracos Gesicht, als er an den Familienstammbaum der Potters dachte, den er im Treppenaufgang entdeckt hatte.  Wie nicht anders zu erwarten, waren sie entfernt verwandt. Die Großnichte seiner Urururgroßmutter war mit dem Schwager von Harrys Ururgroßvater verheiratet. Aber dass die Potterfamilie dem Campbell-Clan angehörte überraschte ihn doch sehr.  Jedoch er wäre nicht Draco Malfoy, wenn er dies nicht gekonnt ausspielen würde.

Die Monate flogen nur so dahin, Godrics Hollow begann zu erblühen wie auch der Frühling, der langsam Einzug hielt. Nach dem sich Harry und Draco hinsichtlich der Innendekoration einig geworden waren – es war immerhin Harrys Geburtshaus und da wollte er sich eigentlich nicht von einem Aristokraten reinreden lassen-, standen beide nun in der Anprobe für ihre Gewänder am Tag der Trauung. Harry kam sich etwas deplaziert vor. Er wollte sich nicht so vor Draco präsentieren. Doch dieser ließ sich es sich nicht entgehen, Harrys Festkleidung ausgiebig zu begutachten und dem Schneider Anweisungen bezüglich einiger Änderungen zu geben.

Harry hatte es sich im Sessel nahe dem Ankleidehocker bequem gemacht. Nachdem er gut eine halbe Stunde immer wieder Dracos Kritik ausgesetzt war, wollte er nicht wissen, welche Änderungswünsche der ehemalige Slytherin bei seiner eigenen Garderobe hatte.  Gerade als er seine Augen schließen wollte, um sich ein wenig zu entspannen, trat Draco hinter dem Vorhang der Umkleide hervor und Harry hielt den Atem an. Er war sich durchaus bewusst, dass Draco auf sein Äußeres sehr viel wert legte, doch dass er genau wusste, wie er seine Vorzüge durch die richtige Wahl der Kleidung zur Geltung bringen konnte, verblüffte Harry. Als Draco ihn jedoch durchdringend ansah, war er sichtlich irritiert. Und erst recht als dieser ihm seine Gedanken förmlich entgegen schrie.

‘Ich weiß, dass ich gut aussehe, deswegen brauchst du mir nicht hinterher zu pfeifen.’

Harry biss sich unwillkürlich auf die Unterlippe. Ihm war nicht bewusst geworden, dass er gepfiffen hatte.

In den letzten Monaten hatte sich vieles verändert. Harry gelange es immer besser, die Gedanken fast aller um sich herum aus zu blenden, ohne dass es für ihn eine enorme Kraftanstrengung bedeutete. Nur Dracos Gedanken fanden immer wieder einen Weg zu ihm. Aber es war anders. Es war nicht so, dass er alles hörte, was Draco dachte. Sie hatten festgestellt, dass Draco teilweise durchaus beeinflussen konnte, was Harry hörte. Nur wenn Draco emotional aufgewühlt war, hatte er keine Kontrolle über das, was Harry vernahm. Und dass Dracos Gefühle mit ihm durch gingen, geschah immer öfter. Meist verabschiedet er sich dann sehr schnell von Harry und war für die nächsten Tage nicht erreichbar.

Auch Hermine und Millicent mussten bewundernd feststellen, dass Harry sich nicht mehr in seiner Wohnung einschloss. Er hatte nun schon öfters aus eigenem Antrieb einen Nachmittag mit ihnen zusammen verbracht. Mehr als einmal vertraute Harry dabei seine Ängste und Befürchtungen Hermine mit, die Angst, jemanden zu verlieren, den er liebte, war ungebrochen. Zu tief saß der Verlust, den er im Endkampf erlitten hatte. Und doch schien es, dass er nun endlich darüber sprechen konnte. Immer mehr Abende verbrachte er mit Hermine und einem Glas Rotwein zusammen vor dem Kamin. Er wusste nicht wie, aber die Gespräche beruhigten sein Innerstes. Die Albträume, die ihn seit der letzten Schlacht regelmäßig heimsuchten, wurden weniger.

Draco hingegen zog sich immer mehr zurück. Hatte er ansonsten mindestens einmal in der Woche mit Millicent zu Shoppen getroffen, so lag ihre letzte Einkaufstour nun schon vier Wochen zurück. Einzig und allein die Termine mit Harry hielt er ein, alle anderen Verabredungen sagte er ab.

Sorgenvoll betrat Millicent Malfoy Manor als ihr auch schon eine Hauselfe die Tür öffnete.

“Sie wünschen”, wurde Millicent begrüßt.

“Ist der Herr des Hauses zu sprechen?”, fragte sie.

“Ich bedauere Ihnen mitteilen zu müssen, dass der Herr für niemanden zu sprechen ist”, war die Antwort der Hauselfe ehe sich die Tür schon wieder langsam verschloss.

Eilig stellte Millicent einen Fuß in den Rahmen und verhinderte so, dass die Tür verschlossen wurde.

“Ich weiß, dass er da ist. Also, lass mich herein”, sprach Milicent eindringlich zu der Hauselfe als sie auch schon die Eingangshalle betrat, die Mamorstufen hinauf hetzte  und dabei das wortreiche Gezeter der Hauselfe ignorierte.

Außer Atem stieß Millicent die schwere Eichentür auf und erstarrte.

Draco stand am Fenster und blickte hinaus auf den Park, der sich hinter dem Herrenhaus erstreckte. Doch was Millicent so außer Fassung brachte waren die Sachen, die Draco a nhatte. Noch niemals hatte sie ihn so … so liederlich gesehen. Das T-Shirt war zerknitter und sah so aus, als wenn er es schon mehrere Tage an und wohl auch darin geschlafen hatte. Eine Hose hatte er überhaupt nicht an, stand nur in Boxershorts am Fenster und die Haare… Millicents Geist sträubte sich auch nur zu glauben, dass dies Draco war, der vor ihr stand. Langsam schritt sie auf ihren besten Freund zu und strich ihm sanft über den Rücken.

“Draco?”, flüsterte sie kaum hörbar. “Draco? Was ist los?”

Stunden später als die Dämmerung schon längst vorbei war und die Nacht Einzug gehalten hatte, saßen Millicent und Draco auf der Couch im Salon.

“Draco, warum hast du Angst davor?”

“Milli, ich …”, stotterte Draco.

“Du hast Angst, dass Harry dich nach der Hochzeit nicht wiedersehen möchte?”, stellte sie die entscheidende Frage.

Seufzend erhob sie sich, als Draco nur in den Kamin starrte und zu keiner Antwort zu bewegen war. Kopfschüttelnd ging sie zur Tür.

“Was glaubst du, warum er sich auf die Treffen mit dir freut?”, waren ihre letzten Worte, ehe sie den Raum verließ.

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