Dez 06 2009
Hochzeit
Titel: Nach dem Kampf ist noch nicht alles vorbei
Autor: Vivianne
Kapitel: Kapitel 6 – Hochzeit
Rating: PG-13
Charaktere: Harry, Hermine, Millicent, Draco
Sprache: Deutsch
Datum: 26.05.2008
Wörter: 1627
Fandom: Harry Potter
Genre: Romance
Disclaimer: Nix mir, alles JK Rowling
Kapitel 6 – Hochzeit
Heftig schlugen die Tauben mit ihren Flügeln und gewannen schnell an Höhe, während vereinzeltes Händeklatschen zu vernehmen war, was sich schnell zu einem tosenden Applaus ausbreitete. Lächelnd löste sich Hermine von Millicent und sah verlegen auf die Gäste hinter sich. Harry zwinkerte ihr schalkhaft zu, während er zu ihr sprach.
‚Du siehst einfach traumhaft aus. Und das schlimmste hast du doch hinter dir.‘
Entrüstet wollte Hermine auf Harry zugehen, wurde jedoch von Millicent zurückgehalten, die ihren Arm besitzergreifend um ihre Taille legte.
„Lass ihn“, flüsterte sie ihr zu und ging mit Hermine durch die schmale Gasse, die sich zwischen den Gästen gebildet hatte, hindurch. „Das ist unser Tag und du weißt, er will dich nur ein wenig foppen.“
Nur wenige Schritte hinter ihnen folgten Harry und Draco, der seinen Arm dem ehemaligen Gryffindor, wie es die Zeremonie verlangte, angeboten hatte. Beide blieben neben Hermine und Millicent stehen und beglückwünschten als erste das frisch getraute Paar, um sich nur wenige Augenblicke danach neben die beiden zu stellen und bei der Übergabe von Geschenken behilflich zu sein.
Draco war froh, dass er sich, wie es der Tradition gebührte, neben Millicent stellen konnte, so wie Harry sich neben Hermine befand. So sehr er die Nähe des ehemaligen Gryffindors auch suchte, so sehr irritierte ihn die Reaktion seines Körpers. Einer Horde Schnatze gleich veranstalteten seine Eingeweide in der Gegend seines Magens ein Fest. Seine Hände fingen an zu zittern. Und er konnte kaum einen Gedanken zu Ende führen, geschweige denn einen halbwegs vernünftigen Satz sagen. Nur ungern erinnerte er sich an das Gespräch mit Millicent, das er vor wenigen Wochen mit ihr geführt hatte. Er wusste selbst, dass er sich irrational verhielt, doch was sollte er denn machen. Diese Emotionalität, die ihn ergriff, erschreckte ihn, hatte er doch so etwas noch nie in seinem Leben zuvor erfahren. Und doch, trotz all dieser beängstigenden Empfindungen, die über ihn herein brachen, sobald er nur Harrys Namen hörte, wollte jede Faser seines Körpers in dessen Nähe sein.
Doch konnte Draco diesem Drang nicht nachgehen. Unendlich, wie es ihm schien, zog sich der Empfang der Hochzeitsgäste dahin. Unaufhörlich schüttelte er Hände und stellte die Geschenke auf den Tisch, der mit einigen Zaubern verstärkt wurde und sich dekorativ in das Arrangement auf der Terrasse einfügte. Schließlich übergab der letzte Gast seine Gabe und das Hochzeitspaar begab sich unter den wachsamen Blicken der Besucher zum Buffet. Zitternd nahm Hermine das Messer, das Harry ihr reichte. Als sich Millicents Finger um ihre Hand schlossen, beruhigte sie sich ein wenig und zusammen schnitten sie die dritte schwebende Ebene der magischen Torte an, wobei ihnen das miniaturisierte Brautpaar auf der obersten Ebene stürmisch Beifall spendete.
Erleichtert klatschte auch Draco in die Hände, war doch nun der erste offizielle Teil überstanden. Unauffällig zog er sich, wie er hoffte zurück, und beobachtete Harry, der viel entspannter auf der Terrasse stand, als wie er ihn sonst in einer solch geballten Menschenansammlung bisher erlebt hatte.
„Er ist auf dem richtigen Weg.“
Erschrocken fuhr Draco herum und hätte beinahe Meisterin Soée umgerissen, die in sanft anlächelte.
„Er muss sich nicht mehr so anstrengen. Habe ich recht?“, fuhr sie unbeirrt weiter.
Automatisch nickte Draco.
„Und du?“, fragte Soée nach.
Verwirrt zog Draco eine Augenbraun in die Stirn.
„Was ich?“, räusperte er sich, nachdem er seine Stimme wiedergefunden hatte.
„Wirst du ihm helfen, die Ruhe zu finden, die er braucht?“, erkundigte sich die Druidin und strich ihm liebevoll über den Arm. „Sperr dich nicht weiter dagegen. Es reicht schon, wenn er das tut.“
Lächelnd verabschiedete sie sich von ihm, als ihn die ersten Klänge der Violinen erreichten. Seufzend ging er auf die Tanzfläche zu, wo Hermine und Millicent sich schon gegenüber standen. Erneut blieben seine Augen an Harry heften, der noch im Gespräch mit Neville Longbottom vertieft schien. Draco schmunzelte, als er an die Nachmittage dachte, die sie wegen der Anprobe von Harrys Garderobe miteinander verbracht hatten. Es war ihm immer noch rätselhaft, wie er Harry schlussendlich hatte überreden konnte, doch die traditionelle Kleidung seines Clanes anzuziehen. Und diese Entscheidung war richtig gewesen. Bewundernd sah er, wie das weiße Hemd sich kontrastreich von der gebräunten Haut Harrys abhob. Die weiten Ärmel hatte er der Hitze des Tages schuldend umgeschlagen. Der Kilt, den er trug, ließ ihn nicht lächerlich aussehen, wie Harry befürchtet hatte. Exakt an den Knien endete der Saum und gab die muskulösen Beine frei, die, der Tradition gemäß, mit Kniestrümpfen bedeckt waren.
Unsanft wurde Draco aus seinen Gedanken gerissen, als Millicent auf ihn zu kam und um den nächsten Tanz bat. Wie in Trance schritt er mit ihr über die Tanzfläche.
„Nach dem Tanz kannst du ihn ja fragen“, raunte sie ihm zu und dirigierte ihn mühelos in die Nähe von Hermine und Harry.
Unschlüssig standen sich die jungen Männer gegenüber als die Musik einen Moment pausierte und das Hochzeitspaar sich erneut Tanzpartner suchte. Verlegen sah Harry zu Draco, als sie automatisch ihre Position einnahmen, sobald die Instrumente des kleinen Orchester einsetzten.
‚Du siehst umwerfend aus‘ , schrie Harry Draco regelrecht an und wich entsetzt zurück. Allerdings konnte er Draco nicht entfliehen, der ihn sanft in die Arme nahm und dabei dieses Missgeschick elegant kaschierte, sodass es keinem Außenstehenden auffiel.
Lächelnd zog Draco Harry fester an sich, ließ seine Hand oberhalb der Rockkante ruhen, führte ihn souverän über das Parkett. Sich der berauschenden Nähe Harrys bewusst, wurde er in einen Strudel der Gefühle gerissen, trieb mit der Musik und seinen Emotionen, versank immer tiefer in den Augen seines Tanzpartner. Immer mehr entfernte sich die Umgebung. Nur noch Harry und er schienen zu existieren. Immer enger zog er ihn an sich, fluchtartig glitt sein Blick von den grünen Augen hinab zu den wundervollsten Lippen, die ihn einladend anlächelten. Unbewusst senkte er seinen Kopf, beugte sich seinem Gegenüber entgegen, starrte auf den Mund und schloss die Augen bevor er den letzten Abstand zwischen ihnen überwunden hatte.
„Entschuldigung“, stammelte jemand neben ihnen, als Draco Harry mehr aus einem Reflex heraus in seinen Armen hielt, bevor Harrys Kopf mit dem Boden der Tanzfläche in Berührung kam. Wütend wollte Draco sich schon umdrehen, als er Harrys Stimme in seinem Kopf vernahm, die ihn beruhigte.
‚Lass Neville, er kann zwar tanzen, aber er ist immer noch ein Tollpatsch.‘
Etwas irritiert brachte Draco den Tanz mit Harry zu Ende. Viel zu aufgewühlt war Draco, als dass er noch länger Harrys Nähe hätte ertragen konnte ohne ihn zu berühren, ohne in seine Augen zu sehen, ohne von seinen Lippen zu kosten. Nachdem er sich eilig bei Harry für den Tanz bedankt hatte und sich entschuldigte, stürmte Draco schon beinahe in das Haus. Nur wenig Ruhe war ihm jedoch vergönnt, als auch schon zum Dinner gerufen wurde. Draco konnte kaum etwas zur Unterhaltung am Tisch beitragen, war er sich doch erneut Harrys Präsenz mehr als bewusst. Schien es ihn doch unentwegt zu dem ehemaligen Gryffindor hinzuziehen, er glaubte, jede Bewegung des jungen Mannes in sich aufzusaugen, sich in den Blicken zu verlieren.
Nur durch seine Erziehung war es Draco bisher gelungen, sich seine Gefühlsregungen nicht anmerken zu lassen. Obwohl, Millicent zählte eigentlich nur noch die Sekunden, bis Draco über Harry herfallen würde. Sie kannte ihren besten Freund auch schon zu lange, als dass er sie täuschen konnte. Und auch Hermine war die Spannung, die zwischen ihren Trauzeugen herrschte, nicht entgangen. Doch war sie nicht, wie in Hogwarts einst, mit Feindseligkeit durchmischt. Sie erwartet zwar, dass, einem Vulkanausbruch gleich, einer der Kontrahenten explodieren würde, doch das Ergebnis als solches würde wohl etwas anders aussehen. Bei diesem Gedanken färbten sich Hermines Wangen leicht rötlich und sie nahm einen Schluck aus der Sektflöte.
Das Mondlicht spiegelte sich im See wider, der unweit des Hauses lag, taucht in die Wellen ein, die stetig das Ufer umspülten. Von alledem nahm Harry nichts wahr. Zu sehr war er noch mit seinen Gedanken an den vergangen Tag gefesselt. Ja, er, nein, sie, er und Draco, hatten es tatsächlich geschafft, die Hochzeit ihrer Freunde zu organisieren und wie er fand, waren sie sehr erfolgreich dabei gewesen. Im Augenblick geleitete Draco nun auch die letzten Gäste vom Grundstück, waren doch Hermine und Millicent schon längst in ihrem Zimmer verschwunden. Ein Lächeln legte sich auf sein Gesicht, als er daran dachte, wie Draco heute Morgen, oder war es gestern gewesen, noch einen Silencio auf das Zimmer des Brautpaares gelegt hatte.
Wie von selbst fuhren Harrys Hände die Runen nach, die auf dem Altartisch eingemeißelt waren. Er kannte die Symbole nicht und doch wirkten sie so vertraut, ihnen schien eine enorme Macht innezuwohnen. Doch dies war nichts gegen das Gefühl, das ihn ihm aufkam, als er sich Dracos Gegenwart bewusst wurde. Langsam und leise näherte der ehemalige Slytherin und legte endlich seine Hand auf Harrys Schulter, ließ sie herunter gleiten zu Harrys Po und tiefer bis zum Saum des Rockes. Vorsichtig schob Draco den Stoff beiseite, fuhr mit der Hand den Oberschenkel hinauf und Kniff in eine Backe. Zischend zog Harry die Luft ein, gab sich den Berührungen hin, krallte seine Hände in den Stein. Heißen Atem strich in seinen Nacken ehe ihn sanfte Lippen küssten. Gefühle unbeschreiblicher Kraft durchströmten ihn. Und er genoss es. Endlich. Endlich wagte Draco den Schritt. Würde er auch den letzten tun?
Wie in Trance drehte Harry sich herum und nahm den Kopf von Draco in seine Hände. Unfähig eines Gedanken, fuhren seine Finger die Konturen des Gesichtes nach und erspürten jede noch so kleine Unregelmäßigkeit, bevor er seinen Kopf neigte und sich ihre Lippen berührten. Einem Feuerwerk gleich wallten die Emotionen in Harry auf und er verlor sich in Draco. Doch der Tanz ihrer Seelen begann erst. In einem Wirbel aus Erregung und Erkenntnis verschlungen sie sich und wurden erneut geboren. Und als der erste Strahl der aufgehenden Sonne den See erreichte, hallte ein Name durch die Luft.
„Draco.“

