Dez 26 2009

Verdächtige und andere Probleme

Published by Vivianne

Kapitel 7 – Verdächtige und andere Probleme

Die Sonne stand tief, tauchte den Horizont in ein rötliches Licht. Unwirklich huschten Schatten über die Wiese. Zerstreut warf Scorpius etwas Mais auf den Weg vor sich und nach nur wenigen Augenblicken hüpfte ein Spatz heran, um eine Krume aufzupicken. Die letzten beiden Besuche bei „Verdächtigen“ waren nicht von Erfolg gekrönt gewesen.

Kevin Entwhistle lebte seit nun mehr sechszehn Jahren mit seiner Frau Alisa, geborene Whitehal, zusammen. Vor anderthalb Wochen ist er zum nunmehr zehnten Mal Vater geworden und hat die gesamte Zeit der Hebamme und seiner Frau im Weg gestanden, woran sich beide Frauen noch sehr gut erinnern konnten. Er hatte Blaise Zabini auch seit dem Schulabschluss auch nur noch auf verschiedenen Veranstaltungen von Hogwarts gesehen.

Stephen Cornfoot hingegen lebte mit seinem Freund Roger Braxen zusammen im Muggelstadtteil Soho mitten in London. Schon vor einundzwanzig Jahren outete sich Stephen und war daraufhin von seiner Familie enterbt worden. Nichts desto trotz arrangierte er sich mit den Gegebenheiten und hatte im Muggelteil Londons eine Modefirma eröffnet. Er war seit dem Streit mit seinen Eltern nicht mehr in der Zaubererwelt gewesen.

Wütend auf sich selbst stand Scorpius auf und warf die restliche Tüte Mais achtlos zu Boden. Eifrig flogen Tauben heran, um die Spatzen zu vertreiben und den besten Futterplatz zu erpicken. Erneut knüllte Scorpius das Pergament in seiner linken Hand zusammen. Vor nicht weniger als einer Stunde hatte ein schwarzer Waldkauz ihm einen Brief überbracht. Noch immer brodelte es in Scorpius, wenn er an den Inhalt dachte. Was dachte sein Vater sich eigentlich dabei. Er hatte doch genügend mit diesen Ermittlungen zu tun und nun sollte er am Samstag zu einer dieser versnobten Galaveranstaltung erscheinen. Scorpius schüttelte den Kopf während er den Park verließ. Das war so typisch. Kaum das es mal kompliziert wurde in seinem Leben, kam eins zum anderen und sein Vater war an dem Durcheinander nicht unbeteiligt.

Immer wieder tiefe Atemzüge holend senkte sich der Puls von Scorpius. Nur wenige Augenblicke später kündigt das Schellen der Glocke einen neuen Kunden, während er die Tür hinter sich schließt. Seit seinem Abschluss als Auror hatte er keine Festrobe mehr gebraucht und er konnte sich noch sehr gut an jenen Abend erinnern, der alles andere als friedlich geendet hatte.

Damals war es zu einem Fluchtversuch während der Überstellung eines Häftlings nach Askaban gekommen. Er war zur falschen Zeit am falschen Ort, wenn man es so nennen kann, und wurde von seinem Ausbilder zur Verfolgung mitgenommen. Resultat drei Stunden später war ein ruinierter Festumhang und der wieder aufgegriffene Häftling.

Nun stand er also beim Madam Malkins auf dem Schemel und ließ sich vermessen. Mit zitternden Fingern dirigierte ein junges Mädchen die Maßbänder an die zu bestimmenden Stellen und korrigierte immer wieder die Position. Nach einer Ewigkeit, wie es Scourpis schien, beendete die junge Hexe das Geflatter der Bänder mit einem Wink und eine Gänsefeder kratzte eifrig über einen Bogen Pergament.

„Mister Malfoy, bis wann soll der Festumhang fertig sein?“, fragte sie mit zittriger Stimme.

„In zwei Tagen.“

„Können“, das Mädchen stockte, „können Sie dann morgen Abend nochmals zur… zur Anprobe erscheinen.“

„Ich bin um fünf Uhr da“, sagte er und ließ ein paar Knuts auf dem Tresen fallen, ehe er die Ladentür öffnete.

Die Sonne war schon hinter den Quantock Hills verschwunden, als Scorpius Malfoy mit Roger Davies vor einem im Schatten gelegenem Haus portierten. Gewohnheitsmäßig strich Scorpius sich über die Robe, entfernte den letzten nicht sichtbaren Krümel während Roger vorsichtig seine Haare glatt strich. Mit einem Nicken zueinander ließ Scorpius dem älteren den Vortritt und sie schritten nacheinander den schmalen Weg zum Tor hinauf. Das Knirschen des Kieses ging im Rauschen der Bäume, die das Anwesen umrahmten, unter.

Nur wenige Augenblicke nachdem Roger an dem Seil neben der Tür gezogen hatte, wurde das schwere Eichenportal aufgezogen.

„Sie wünschen?“, piepste ihnen eine kleine Elfe entgegen. Das notdürftig zusammengeflickte Tuch rutschte ihr schon fast von den schmächtigen Schultern als sie die Besucher mit ihren riesigen Augen ansah. Scorpius fühlte sich unwohl unter dem durchdringenden Blick des magischen Wesens.

„Wir wünschen Miss Parkinson zu sprechen“, sagte Roger mit nasaler Stimme und sah über die Elfe hinweg, die nun aus dem Weg trat, um die Besucher einzulassen.

„Wen darf ich melden, Sir?“

„Mister Davies und Mister Malfoy, Auroren des Ministeriums.“

Scorpius konnte eben noch erkennen, wie sich die Bewohner der Porträts aus den Rahmen entfernten, als er auch schon eine Stimme vernahm, die ihn sehr an das Schaben von Kreide auf einer Tafel erinnerte. Widerwillig drehte er sich der Geräuschquelle zu und verbeugte sich vor der Herrin des Hauses.

„Was verschafft mir die Ehre ihres Besuches“, sagte sie an Roger Davies gewandt, bot ihm ihren Arm an und dirigierte ihn so in den angrenzenden Salon.

„Wie Sie sicher der Tagespresse entnehmen konnten, weilt Blaise Zabini nicht mehr unter uns. Er verstarb unter mysteriösen Umständen, daher sind wir gezwungen alle seine Bekannten und Freunde zu befragen“, begann der Auror mit seinen Ausführungen.

Unterdessen erschienen zwei Kristallgläser und eine Karaffe mit bernsteinfarbener Flüssigkeit auf dem Beistelltisch neben dem Diwan, auf dem sich Pansy Parkinson mit Roger Davies niedergelassen hatte. Sie hatte ein mit Spitze umrandetes Tuch aus dem linken Ärmel ihrer Robe gezogen und tupfte damit an ihrer Nase.

„Sie haben im gleichen Jahr ihren Abschluss in Hogwarts gemacht wie Mister Zabini. Haben Sie sich danach noch mit ihm getroffen?“, wollte der ältere Auror wissen. Mitfühlend streichelte er ihr über den Arm, als ihr die Tränen über das fahle Gesicht liefen.

„Ich … wir“- Sie tupfte sich ein wenige Tränen von den Wangen. „Wir haben uns regelmäßig getroffen. In dem Jahr nach unserem Abschluss, da“-Sie zitterte leicht, als sie die Nase kraus zog und das Taschentuch vorsichtig daran rieb. „Da haben wir uns jeden, jeden … Entschuldigen Sie, es ist so“ – Sie nahm das Glas, das sich sofort fühlte, und nippte daran.

Rücksichtsvoll strich Roger ihr den Arm.

„Lassen Sie sich ruhig ein wenig Zeit“, sprach er mit ruhiger, tiefer Stimme. „Wenn es Ihnen angenehmer ist, können wir auch morgen nochmal vorbei kommen. Wir müssen …“

„Nein, nein“, beeilte Pansy Parkinson sich zu sagen. „Es, es geht schon.“ Mühsam richtete sie sich auf, setzte sich aufrecht, mit durchgestrecktem Rücken, tupfte immer wieder die Tränen aus ihrem Gesicht. „Wir trafen uns jeden letzten Samstag im Monat. Die ersten Jahre. Ich .. ich weiß nicht, vielleicht drei vier Jahre lang. Dann, dann …“ Sie zitterte. „Die meisten heirateten, gründeten ihre Familien. Die, die Treffen wurden unregelmäßiger, bis, bis sie ganz aufhörten.“

Scorpius horchte auf. Er wusste von den Treffen, hatte er doch oft genug seinen Vater davon reden hören. Vor allem, wenn er spät abends dem Sherry zu sehr zugesprochen hatte. Wiedererwartender Weise hatte sein Vater eine Schwäche für diese edlen Tröpfchen, die ihm die Zunge doch sehr lockerten. Und diese Treffen konnte man als alles andere als jugendfrei bezeichnen. Man würde es wohl als Hörner abstoßen bezeichnen. Natürlich würde niemals einer der Slytherins, die ausschließlich anwesend gewesen waren, dies in irgendeinem Gespräch zuzugeben.

„Haben Sie Mister Zabini danach noch getroffen?“, fragte Roger nach.

„Ja natürlich, wir sahen uns gelegentlich auf verschiedenen Wohltätigkeitsveranstaltungen“, erwiderte sie.

Scorpius hatte sich während der Unterhaltung im Salon umgesehen. Nur wenige Bilder schmückten die Wände. Aus den meisten waren die eigentlichen Bewohner verschwunden. Nur in einigen wenigen konnte er einen Jungen erkennen.

„Miss Parkinson“, meldete sich nun Scorpius zu Wort. „Haben Sie Kinder?“

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