Kapitel 9 – Feierlichkeiten
Unsicher sah Scorpius noch einmal in den Spiegel. Seine Kleidung saß perfekt, die Robe fiel locker über seine Schultern, seine Haare hatte er der Tradition entsprechend geflochten und mit einem Band umwickelt. Er hatte sich den Regeln der Malfoys entsprechend hergerichtet. Und dennoch, er war nicht perfekt. Sein Gesicht war gezeichnet von dunklen Ringen unter seinen Augen. Seitdem er Albus vor vier Tagen besucht hatte, war an erholsamen Schlaf nicht mehr zu denken. Immer wieder hörte er Albus Stimme; immer wieder hörte er, wie er ihn zu Nott schickte. Er hatte geahnt, dass Nott Albus aus dem Gleichgewicht bringen konnte. Doch dass Albus zu glauben schien, er, Scorpius, würde etwas mit dieser …, dieser Ratte anfangen.
Scorpius hob die Hände und verharrte kurz vor seinem Haaransatz. Resigniert nahm er die Arme herunter, griff nach seinen Zauberstab und nach einem gemurmelten Zauberspruch strahlte sein Gesicht wieder jugendlich. Nicht zum ersten Mal war er seiner Mutter dankbar, die ihm den ein oder anderen kosmetischen Zauberspruch beigebracht hatte.
Schon als er die Türen zu seinen Räumen verschloss konnte Scorpius die Musik hören, die aus dem großen Ballsaal aus dem Westflügel erklang. Seine Eltern hatten also wieder einmal ein Orchester engagiert. Innerlich sträubte sich alles in Scorpius gegen diesen Abend. Schon als er vor anderthalb Wochen die offizielle Einladung seiner Eltern in den Händen hielt hatte er ein ungutes Gefühl gehabt; und auch jetzt ahnte er, dass sein Vater diese Gala nicht ohne irgendwelche weiterführenden Gedanken innerhalb weniger Wochen organisiert hatte. Doch nützte dies alles nichts, er war nun einmal der einzige Sohn des Hauses Malfoy und so konnte er an diesem Abend nicht fernbleiben.
***
Widerwillig stand Scorpius schließlich vor den Türen des Ballsaales und schloss noch einmal die Augen. Seine Hände zitterten leicht, waren mit einem kaum sichtbaren Schweißfilm überzogen. Tief durchatmend überprüfte er, wie schon in seinen Räumlichkeiten, den Sitz seines Zauberstabes im rechten Ärmel seiner Robe. Dann nickt er und die Flügeltüren öffneten sich. Wie zu erwarten war, bemerkten die Gäste, die in der Nähe standen, sein Erscheinen sofort und begrüßten ihn mit leichtem Nicken.
Scorpius lief ein eiskalter Schauer über den Rücken als er die erwartungsfrohen Gesichter der geladenen Damen sah und erstarrte während Troubadour ihn in leichtem Singsang ankündigte. Er war zwar mit diesem Zeremoniell aufgewachsen, doch ihn hatte es noch nie behagt. Allein die Nennung seines vollständigen Namens inbegriffen alle Titel und bisherigen Verdienste; wobei er froh war, dass er bislang noch nichts weiter von Ruhm geleistet hatte. Während der Litanei schritt Scorpius erhobenen Hauptes in den Saal und deutete den Damen gegenüber immer wieder eine kleine Verbeugung an, wie es üblich war.
Er war froh, als er endlich seine Eltern erreichte.
„Vater“, sagte er mit einer kurzen Verbeugung, die sein Vater mit einem leichten Nicken erwiderte.
„Mutter“, sprach er weiter und nahm die Hand seiner Mutter, auf der er einen Kuss andeutete. Freundlich lächelte sie ihn an und zog ihn etwas zu sich.
„Ich hoffe, du schenkst deiner Mutter deinen ersten Tanz“, sagte sie und ließ sich von ihrem Sohn auf die Tanzfläche führen.
„Warum wolltet ihr mich auf diesen Ball haben?“, fragte Scorpius seine Mutter direkt.
Sie stockte kurz.
„Nicht ich, dein Vater hat diese Gala organisiert. Ich weiß nicht so genau, was er vorhat, ich hatte gehofft, du wüsstest mehr“, sprach Astoira Malfoy. „Ich weiß nur, dass er dich unbedingt dabei haben wollte.“
Scorpius zog kaum merklich die linke Augenbraue in die Stirn und Astoria lächelte leicht.
„Wie dein Vater“, sagte sie und Scorpius sah sie irritiert an.
Der Tanz neigte sich dem Ende und beide waren froh, als der Tusch ertönte. Riesige Flügeltüren öffneten sich und die Gäste hielten in ihrem Tun inne.
„Meine Damen und Herren, haben Sie bitte die Güte den Gastgebern in den Speissaal zu folgen“, erklang der wohlklingende Tenor des Troubadours über die Köpfe der Gäste hinweg.
Astoria Malfoy nahm den dargeboten Arm ihres Sohnes an wie auch den ihres Gatten, der wie aus dem Nichts neben ihr erschienen war. Gemeinsam, immer lächelnd, schritten sie durch die Menge, die ihnen Spalier boten und betraten als erste den Speisesaal.
***
Scorpius hasste solches Bankett. Und zu allem Überfluss hatte sein Vater die Tischordnung so arrangiert, dass er zur rechten seiner Mutter saß und so nicht die Möglichkeit bekam mit seinem Vater zu sprechen. Zumal dieser sich auch ausgezeichnet mit Ginny Potter, die ebenfalls mit am Tisch saß, unterhielt und nicht einen Augenblick seinem Sohn widmete. Scorpius aß und plauderte beinahe lustlos mit seiner Mutter. Dabei ließ er seinen Blick über die anderen Tische schweifen. Erstaunt musste er feststellen, wer alles geladen war.
So saßen Pansy Parkinson und Theodore Nott nicht unweit von ihm an einem Tisch. Als Scorpius allerdings Avery Nott erblickte, fing er an dem Verstand seines Vaters an zu zweifeln. Scoorpius schüttelte kaum merklich den Kopf und sah sich weiter um. Nur einen Tisch weiter entdeckte er Stephen Cornfoot und Roger Braxen neben Kevin Entwhistle mit seiner Frau Alisa. Scorpius schluckte. Sein Blick wanderte weiter und er erstarrte in seiner Bewegung. Fragend sah er zu seinem Vater, der ihm just in diesem Moment anlächelte und ihm zunickte. Scorpius hielt dem Blick stand und seine Hände verkrampften sich um das Besteck, bis seine Fingerknöchel weiß hinaustraten während sich sein Vater von ihm abwandte und mit Ginny Potter sich weiter angeregt unterhielt.
„Du bist heut kein guter Tischnachbar“, vernahm Scorpius die Stimme seiner Mutter neben sich, die ihn aus seinen Gedanken holte.
„Entschuldige, mir…“ Scorpius brach ab und legte das Besteck beiseite. Vorsichtig tupfte er mit der Serviette seinen Mund ab und war erleichtert, als der Nachtisch serviert wurde. Seine Mutter lächelte leicht während sie zwischen Vater und Sohn hin und her sah.
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