Dez 26 2009

Erste Schritte

Published by Vivianne

Kapitel 3 – Erste Schritte

Haare wie Seide glitten durch seine Hände, umwickelten seine Finger, veränderten ihre Farbe, wurden dunkler bis sie ein tiefes Rot erfasst hatten und sich verflüssigten.
Schreiend schreckte Albus aus dem Schlaf. Mit klopfendem Herz richtete er sich auf und sah sich um, allmählich kehrte die Erinnerung zurück. Das Grau der Wände bestätigte nur, dass er noch immer in dem Albtraum gefangen war, aus dem er gehofft hatte, zu erwachen. Ungläubig besah Albus sich seine Hände, drehte sie, doch sie blieben wie sie waren. Nirgends war ein Tropfen Blut erkennbar, in das er sie in seinem Traum getränkt gesehen hatte.

Ein Knarren ließ Albus aufblicken und er sah, wie sein Vater die kleine Zelle betrat.
Schweigen durchflutete den Raum, nachdem sich die Tür geschlossen hatte. Betreten betrachtete Albus erneut seine Hände, konnte er doch förmlich den Blick seines Vaters auf sich spüren.

„Es … es tut mir leid“, brachte er nach einer schieren Ewigkeit stotternd hervor. „Ich“ –Albus sah auf, sah den gütigen Blick seines Vaters- „Ich wollte nicht, dass du es so erfährst.“

Tränen bahnten sich ihren Weg, ließen Albus Stimme zittern.

„Hey“, sprach Harry, ließ sich neben Albus auf das graue Metallbett nieder, das sich mit einem Quietschen bemerkbar machte, und legte vorsichtig seinen Arm um seinen Sohn.

„Al“, versuchte er seinen Sohn zu beruhigen. „Al? Es wird alles gut.“

„Du… du bist nicht enttäuscht?“, fragte Albus ungläubig, doch Harry schüttelte den Kopf.

„Warum sollte ich?“, erwiderte er.

„Dad, ich …“, Albus fehlten die Worte, wusste nicht, wie er die passenden Worte finden sollte. „Ich …“

„Albus, ich glaube kaum, dass du es warst“, sagte Harry, nahm das Gesicht seines Sohnes in seine Hände und sah ihn intensiv an. „Das wäre nicht der Sohn, den ich kennen würde.“

Albus Augen glänzten bevor sich einige Tränen lösten und sein Körper vor Schluchzen bebte.

„Dad“, war das einzige, was er noch sagen konnte.

***

Schultern straffend klopfte er an die schwere, leicht angelehnte Eichentür bevor auf ein Murmeln hin eintrat.

„Mister Potter?“, fragte Scorpius, als er vor dem Schreibtisch stand.

Harry Potter blickte von den Pergamenten auf, ließ seinen Blick über die schlanke Gestalt des jungen Aurors gleiten und deutete an, dass er sich setzen konnte. Harry drückte die Fingerspitzen aneinander, schürzte die Lippen und wippte nachdenklich mit dem linken Bein.

„Mister Malfoy“, fing er an. „Ich möchte Sie bitten, sich in dem Fall Zabini nicht zurückzuhalten. Selbst wenn dies bedeuten sollte …“ Harry ließ es offen, was er genau meinte.

„Mister Potter, ich denke, mir ist durchaus bewusst, welche Brisanz das ganze hat. Und Sie können sich sicher sein, das ich keine Rücksicht nehmen werde“, versicherte ihm Scporpius.

Harry nickte und Scorpius nahm dies als Zeichen, aufzustehen und sich zu verabschieden. Er stand schon in der Tür, die Hand auf der Klinke, als Harry nochmals aufstand und sprach:

„Achten Sie bitte auf Terry Boot.“

„Selbstverständlich“, war die knappe Antwort, während er den Raum verließ.

Erleichtert atmete Scorpius durch, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand neben dem Büro des Aurorenchefs. Das durfte doch nicht wahr sein. Tief durchatmend sammelte er seine Gedanken. Ausgerechnet er hatte letzten Sonntag Bereitschaft mit Terry Boot gehabt und wurde zu den Ermittlungen hinsichtlich der Tötung von Blaise Zabini hinzugezogen. Eigentlich nur, um die Spuren aufzunehmen, bevor die Abteilung der Vergissmichs ganze Arbeit leistete, um die Spuren dieses Mordes zu vernichten und die Erinnerungen der Muggel zu verändern. Und nun? Das war … Harry Potter hatte ihn zusammen mit Terry Boots diesen Fall betraut. Und es war logisch. Terry Boot, der wie kaum ein anderer für seine Antipathie gegenüber Harry Potter bekannt war. Selbst seine Familie hatte es geschafft, ein vernünftiges Verhältnis zu den Potters aufzubauen, wenn dies auch noch arg distanziert war. Aber man respektierte einander. Ruckartig löste er sich von der Wand und war froh, dass das Büro seines Vorgesetzten etwas abseits lag.

Konzentriert las der die Berichte, die der Heiler angefertigt hatte. 17 Messerstiche, wahllos auf dem Körper verteilt. Keiner allein davon tödlich, doch in der Summe… Die Muggelpolizei hatte leider die Seitengasse, wo Blaise Zabini gefunden worden war, verunreinigt. Magische Signaturen waren nicht auszumachen gewesen. Selbst die Signatur von Albus konnte nicht nachgewiesen werden. Einzig und allein ein Zeuge hatte ihn gesehen, wie er das Seven verlassen hatte und durch diese Seitengasse gegangen war. Nur kurze Zeit später wurde der leblose Körper von Blaise Zabini entdeckt. Leider von einem Muggelpärchen.

Scorpius seufzte. Das Blut, das sich auf der Jeans von Albus befand, konnte eindeutig Blaise Zabini zugeordnet werden. Ein weiterer Punkt, der gegen den jungen Potter sprach. Doch Scorpius wollte nicht so recht dran glauben. Warum hätte Albus ihn niederstechen sollen und wo war der Dolch? Denn da war sich Scorpius sicher, es war kein normales Messer, mit dem Zabini niedergestochen worden war. Die Wunden zeigten charakteristische Spuren auf, die nur von einer zweischneidigen Klinge hinterlassen werden konnten.

Scorpius sah sich nochmal die Bilder an, die am Tatort von den Muggelpolizisten gemacht worden waren. Diese Stiche. Scorpius schüttelte den Kopf. Der erste Stich war auf dem Rücken gewesen, leicht von unten war die Klinge angesetzt gewesen, die darauffolgenden Wunden waren eher von oben ausgeführt worden. Scorpius drehte die Bilder in seinen Händen, betrachtete sie eingehend, las den Bericht des Heilers immer wieder durch.

***

„Komm schon“, blaffte Terry Boot seinen Kollegen an.

Scorpius Malfoy beeilte sich, doch die weit ausholenden Schritte seines Kollegen waren einfach zu hastig und schnell gesetzt, als dass er im normalen Schritt mithalten konnte. Kopfschüttelnd verfiel er in einen Laufschritt um nicht all zu sehr abgeschlagen zu werden. Sie waren auf dem Weg in Albus Potters Wohnung um diese noch einmal zu untersuchen. Die Tatwaffe war bisher noch nicht gefunden worden und Terry Boot hoffte, dass er den Dolch im Loft in der Lexington Street finden würde.

Als sie in die Brewer Street einbogen, verstand Scorpius auch, warum sie nicht hier her appariert waren. Hier herrschte geschäftiges Treiben, ein stetiger Strom der Transportmittel der Muggel trieb ihnen regelrecht entgegen, und auch die Muggel schienen den Tag auf der Straße verbringen zu wollen. Und trotzdem kam sich Scorpius allein vor. Kaum ein Muggel schien von ihnen Notiz zu nehmen. Was nicht weiter verwunderlich war, trugen doch beide ihre Umhänge nicht.

„Malfoy.“ Erneut ertönte die schroffe, fast schon bellende Stimme des älteren Aurors, als er die Haustür erreicht hatte und auf seinen jüngeren Kollegen wartete. Skeptisch betrachtete Scorpius den Fahrstuhl, auch wenn er diese Aufzüge aus dem Ministerium kannte, so war es ihm trotzdem suspekt, vor allem, wie diese Technik funktionierte, war ihm noch immer ein Rätsel. Im Ministerium lag ein Zauber auf den einzelnen Kabinen, um die Hexen und Zauberer zu den gewünschten Etagen zu bringen. Widerwillig stieg Scorpius nun ein und Terry schob das Gitter zu. Zielsicher drückte er den Knopf mit der vier und der Fahrstuhl setzte sich ruckartig in Bewegung.

Mit einem unüberhörbaren Rattern hielt die Kabine in der letzten Etage dieses alten Hauses. Die Holzbretter knarrten unter den schweren Stiefeln von Scorpuis, als er in den Hausflur trat. Stumm folgte er Terry Boot, der sich mit Hilfe seines Zauberstabes Zutritt zu der einzigen Tür auf diesem Flur verschaffte.

Chaotisch. Das war, was Scorpius beim Anblick des Loftes als erstes einfiel. Während der ältere Auror über all nach dem Dolch zu suchen schien, schaute sich Scorpius um, erkannte auf den Bilder, die an den Wänden hingen, Hogwarts und Godric Hollow wieder. Auf der Kommode neben dem Kleiderständer lag noch der Zauberstab von Albus, wie Scorpius feststellte. Und der Wohnungsschlüssel. Die Polizisten mussten ihn wirklich überrascht haben. Als er auf den Boden sah konnte er dunkle Flecken erkennen. Langsam ging er in die Knie, ließ seinen Zauberstab über den tropfenförmigen Klecksen kreisen derweil er einen Diagnose Zauber sprach. Tief durchatmend nahm er die Worte, die in der Luft erschienen waren zur Kenntnis und notierte dies. Mit Hilfe eines weitern Zaubers protokollierte er den Ort und die Zeit der Analyse. Dies gehörte seit mehreren Jahren nun auch zum Aufgabenbereich der Auroren, Spurensicherung für die Verfahren, für die sie ermittelten. Obwohl einen Großteil der Arbeit immer noch das Magische Aufspür- und Spurenerhaltungskommando erledigte.

Scorpius sah sich weiter um, bemerkte dass sein Kollege mittlerweile die freistehende Treppe hinauf zu den oberen Räumen betreten hatte. Doch er folgte der Spur, die sich auf dem Boden fortsetzte und die schlussendlich vor dem Sofa endete. Doch fielen hier die Flecken auf dem rostbraunen Stoff nicht sofort auf. Nur die Ränder eines Fleckes gaben einen Hinweis und nach einem weiteren Analysezauber war sich Scorpius sicher, das er auch hier Blut gefunden hatte. Die mit dem Zauber entnommenen Proben würden im Ministerium untersucht werden, doch war er sich sicher, dass diese zu den Flecken auf der Hose von Albus passen würden. Und diese waren zweifelsfrei Blaise Zabini zugeordnet worden.

„Mister Boot“, rief Scorpius die Treppe herauf. Als er keine Antwort erhielt, ging er die Stufen hinauf. Mit einer Hand auf dem metallenen Geländer sah er nach unten. Das Sonnenlicht, das durch die über beide Etagen erstreckende Fensterfront auf der Südseite hineintrat, durchflutete den gesamten unteren Bereich, ließ die Schatten der Regale zum Flur hin winzig erscheinen. Von hier oben konnte er die Spur des Blutes erkennen. Doch wenn er es nicht selbst gewusst hätte, so wären ihm diese Flecken aus dieser Höhe auf dem unregelmäßigen Boden nicht aufgefallen. Viel zu gut fügten sie sich in das Bild der zerschundenen Holzbretter. Er hob den Blick, sah sich kurz um, als er auch schon zielsicher auf die letzte Tür am Ende des Ganges zusteuerte.

Wie nicht anders erwartet, traf er im Schlafzimmer auf seinen Kollegen, der die Schubladen der Kommode geöffnet hatte, nach Hinweisen suchend.

„Nichts“, rief Terry erbost. „Nichts, keinen einzigen Hinweis auf Zabini.“

„Dafür ist unten sein Blut“, wandte Scorpius ein.

„Das war ja klar, so wie die Jeans von Potter ausgesehen hat. Warum hatte er die noch an? Er muss doch gemerkt haben, dass er voll Blut war“, blaffte der Auror seinen Kollegen an.

„Haben Sie einen Hinweis auf die Tatwaffe gefunden?“, fragte Scopius nach.

„Tatwaffe, die wird der Bursche wohl nicht mit nach Hause genommen haben. Die werden wir wohl auf dem Weg zwischen dem Tatort und hier noch finden. Davis ist mit seinem Team nochmals dort und dreht jeden Stein um“, erwiderte Terry.

Scorpius konnte sich vorstellen, dass dies mit den Steinen wortwörtlich zu nehmen war. Mit Hilfe von Zauberei würde wahrlich jeder Stein in der Umgebung des Tatortes umgedreht werden.

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