Dez 26 2009

Erste Antworten

Published by Vivianne

Kapitel 6 – Erste Antworten

Aufgebracht stürmte Scorpius aus dem Fahrstuhl heraus, quer durch die Aurorenzentrale geradewegs in das Büro von Rose Zeller. Noch im Gehen nahm er den Kragen des Umhanges des jungen Mann, der auf dem Schreibtisch von Miss Zeller saß, und riss ihn an sich.
„Was denkst du, wer du bist, Avery Theobald Nott?“, fauchte Scorpius ihn an und stieß ihn wieder von sich weg, als hätte er sich die Hände verbrannt.
„Miss Zeller, dieser Herr von der Presse hat ab sofort Abteilungsverbot“, sagte Scorpius ganz ruhig und sachlich zu der Sekretärin der Aurorenzentrale. „Die schriftliche Anordnung dazu werden Sie in Kürze erhalten.“
„Aber“, stotterte Avery. „Ich habe …“
„Avery, du kannst sonst noch etwas haben“, sprach Scorpius bestimmt. „Mister Potter höchstpersönlich wird diese Anordnung absegnen“, und wies dem jungen Reporter unsanft den Weg aus dem Büro.
„Das werde ich deinem Vater …“ Mehr vernahm Scorpius nicht mehr, da er die Tür zu dem kleinen Büro verschlossen hatte.
„Machen Sie mir einen Termin bei Mister Potter!“, sagte er nun und verließ auch zügig das Büro.

Unsicher drückte Scorpius die Tür auf.
„Kommen Sie doch rein“, sagte Harry Potter und wies auf einen der Besucherstühle hin. Scorpius nahm das Angebot dankbar an. „Warum baten Sie um einen Termin? Mein Büro steht Ihnen doch jeder Zeit offen.“
Scorpius kämpfte mit sich, focht einen nicht sichtbaren Kampf aus.
„Können Sie Albus nicht auf freien Fuß setzen?“, fragte er schließlich.
Harry atmete tief durch.
„Mister Malfoy, das werde ich nicht tun“, sagte er bestimmt.
„Mister Potter, er ist Ihr Sohn“, fleht Scorpius beinahe.
„Genau deshalb wird es dort bleiben, wo er ist.“
„Mister …“
„Scorpius, ich darf doch Scorpius sagen“ –Scorpius nickte –„Ich kann den Hauptverdächtigen in einem Mordfall nicht auf freien Fuß setzten, erst recht nicht, wenn es mein Sohn ist. Wer sollte ihn überhaupt während dieser Zeit bewachen?“
Scorpius rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her.
„Mister Potter, ich könnte…“
Mit erhobener Hand schnitt Harry ihm das Wort ab. Erstaunt fiel Scorpius Blick auf das Armband, das in der Hand seines Vorgesetzten zum Vorschein kam.
„Ich denke“, begann Harry. „Es wäre nicht sehr förderlich für eure Zukunft.“ Harry schwieg.
„Woher?“, hauchte Scorpius nur.
Harry hob die linke Augenbraue.
„Ich dachte, das wüsstest du. Erinnerst du dich noch an das Wochenende drei Monaten?“
Scorpius nickte kaum merklich und sackte in sich zusammen.
„Und…“ Scorpius traute sich kaum ein Wort zu sagen.
„Meinen Segen habt ihr, nur wäre es nicht sehr förderlich, wenn es innerhalb der nächsten Wochen an die Öffentlichkeit dringt.“
„Sie … Sie haben es die ganze Zeit gewusst?“ Scorpius sah seinen Vorgesetzten ungläubig an.
Harry nickte, während er aufstand zu dem jungen Auror ging und seine Hand beruhigend auf dessen Schulter legte. Wie zufällig glitt dabei das silberne Armband in die Hände von Scorpius.
„Mister Potter“, vorsichtig begann Scorpius. „Ich denke, es wäre sinnvoll den Klatschreportern vom Tagespropheten ein Verbot für diese Abteilung zu geben.“
„Scorpius?“
Harry sah ihn erstaunt an.
„Ich“, druckste Scorpius herum. „Also ich habe vorhin Nott aus der Zelle von Albus hinausgeschickt. Ich denke nicht, dass es sinnvoll wäre, wenn er weiterhin Zugang zur Aurorenzentrale hätte.“
Harry blickte schweigend zu Scorpius.
„Ich, ich habe ihm mit Abteilungsverbot gedroht“, gab er schließlich kleinlaut zu.
Harrys rechter Mundwinkel zuckte nach oben, ebenso wie seine Augenbraue und nickte schließlich.
Unschlüssig stand Scorpius an der Tür und hatte schon die Klinke in der Hand, als er sich erneut umdrehte und unsicher zu Harry blickte.
„Mister Potter“, begann er schließlich.
„Was gibt es noch?“
Scorpius straffte seine Schultern.
„Ich habe Informationen über Mister Zabini eingeholt.“
„Das ist unter anderem Ihre Aufgabe.“ Fragend sah Harry zu dem jungen Auror.
„Es gibt Verbindungen zwischen…“ Scorpius fuhr sich durch seine Haare während er ein Pergament aus seinem Umhang herausholte. Zögernd rollte er es auf, trat an den Schreibtisch seines Vorgesetzten, drehte das Pergament und glättete es.
Harry begann zu lesen.
„Was ist das für … Oh“ –Harry lächelte- „Eine sehr aufschlussreiche Liste. Von wem haben Sie die?“
„Tut mir leid, ich gebe meine Quelle nicht preis“, erwiderte Scorpius und fügte flüsternd hinzu „Es reicht schon, dass ich ihn überhaupt gefragt habe.“
„Obwohl“, murmelte Harry bevor er weiter las. „mir kommt die Handschrift doch seltsam vertraut vor. Oh“ –er stockte, schluckte, lächelte. „Sie wollen ihn wirklich darauf ansprechen?“ -Harry gluckste- „Sie betreten da sehr vermintes Terrain.“
Scorpius sah seinen Vorgesetzten verwirrt an.
„Sie sehen doch, welchen Umgang er mit mir pflegt“ -Harry grinste in sich hinein- „Nunja, sagen wir es mal so, ich bin ihm damals auf seinem ‚Nachhauseweg‘ begegnet in einer sehr eindeutigen Lage.“
Harry zuckte mit den Schultern. „Ich denke zwar nicht, dass er damit etwas zu tun hat, aber es könnte vielleicht helfen. Ziehen Sie aber Roger Davies mit hinzu, er ist mit dem Fall schon ein wenig vertraut.“

Unbewusst strich sich Scorpius eine Strähne hinter sein rechtes Ohr, die ihm immer wieder vor die Augen fiel. Er sah noch einmal auf seine Notizen und blickte dann zu dem Straßenschild hinauf. Soweit er recherchiert hatte, war er hier richtig. Mit nun gefasstem Schritt ging er die Stufen der Marmortreppe hinauf und betätigte den Türknauf. Schon nach wenigen Augenblicken öffnete eine Hauselfe die Tür.
„Sie wünschen?“
„Ist Mister Hopkins zu sprechen?“, beeilte sich Scorpius zu fragen.
„Wenn darf ich melden?“
„Mister Malfoy.“
Die Tür wurde wieder zugeschlagen. Gerade als Scorpius seine Hand heben wollte, um erneut den Türklopfer zu betätigen, wurde die Tür geöffnet.
„Mister Hopkins ist bereit Sie zu empfangen“, piepste die kleine Elfe nun und trat zur Seite, um den Auror hinein zu lassen.
Scorpius betrat den Empfangssalon und nahm auf einem der gepolsterten Stühle Platz. Nach nur wenigen Augenblicken wurde die Tür zum Salon erneut geöffnet und ein schlaksiger, hochgewachsener Mann betrat den Raum. Mit forschen Schritten durchquerte er den Raum und reichte Scorpius die Hand, als dieser aufstand.
„Scorpius Malfoy, Auror“, sagte Scorpius kurz.
„Wayne Hokpins“, erwiderte der Gastgeber und ließ sich auf einem der in goldgelb gehaltenen Fauteuils nieder. „Wie komm ich zu dem Vergnügen?“
Scorpius setzte sich wieder und bemerkte Mister Hokpins musternde Blicke.
„Mister Hopkins, Sie haben 1999 Ihren Abschluss in Hogwarts gemacht und waren im Haus Hufflepuff.“
Wayne nickte.
„Waren Sie mit einem Blaise Zabini bekannt?“, fragte Scorpius und sah dem Mann mit dem leicht ergrauten Haar in die Augen.
Dieser stützte sein Kinn auf seine Hand, den Ellbogen auf der Lehne des Sessels platziert, und erwiderte den Blick.
„Nicht nur bekannt, würde ich sagen“, antwortete Wayne und lächelte.
Scorpius begann zu schwitzen, versuchte den obersten Knopf seines Hemdes unauffällig zu öffnen, ließ es jedoch im letzten Moment doch sein und lockerte nur den Kragen.
„Wie…“ Scorpius unterbrach sich. „Haben Sie Mister Zabini auch nach Ihrer Schulzeit gesehen?“
„Selbstverständlich.“ Wayne lächelte weiter, während er seine Zungenspitze zwischen die Lippen gleiten ließ.
„Wo haben Sie ihn getroffen?“
Scorpius wischte sich seine linke Hand an seinem Hosenbein ab, unterdessen er mit seiner freien Hand nach seinem Zauberstab tastete, und beruhigte sich ein wenig, als der das schlanke Holz berührte.
„Hier und da“, antwortete Mister Hopkins nichtssagend. Langsam ließ er seinen Zeigefinger über die Lippen gleiten, die er ein wenig öffnete.
Scorpius schluckte, schloss für einen kurzen Moment die Augen.
„Mister Hokpins, ich bin im Auftrag des Ministeriums bei Ihnen. Wenn Sie nicht mit uns zusammen arbeiten möchten, kann ich auch eine Vorladung erwirken und wir werden uns im Verhörraum der Auroren weiterunterhalten.“
Wayne Hopkins straffte seine Schultern und sein Blick wurde ernsthaft.
„Ich traf ihn gelegentlich auf diversen Banketts oder anderen offiziellen Anlässen. Wir sind uns seit Hogwarts nicht mehr näher gekommen. Wir …, wir bevorzugten es nicht, in den Gebieten des anderen zu …, wie soll ich sagen, zu wildern.“
Scorpius nickte unmerklich.
„Können Sie mir sagen, wo Sie am Freitag vor zwei Wochen waren? Zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens.“

<< Kapitel 5 | Kapitel 7 >>

No responses yet

Trackback URI | Comments RSS

Leave a Reply