Das Verhör

Posted by: Viviannein
26
Dez

Kapitel 2 – Das Verhör

Gleisendes Licht holte Albus aus seinen Gedanken, das sich durch einen Spalt zwischen der Tür und dem Rahmen hindurch und um eine schattenhafte Gestalt vorbei quälte.

“Mister Boot, können Sie bitte einmal kommen?”, unterbrach den Redeschwall des Aurors, der immer noch an dem schlichten Holztisch saß und abwartend in Albus Gesicht blickte.

“Mister Boot”, wurde nun nachdrücklicher gefragt und nun erhob sich Terry Boot auch.

“Wir sind noch nicht fertig, Bürschchen”, spuckte Terry Boot die Worte regelrecht aus. Die Stuhlbeine schabten quietschend über den Boden, als sich der Auror erhob, mit Argusaugen Albus beobachtete, sich umwandte, ehe er mit schwerfälligen Schritten Richtung Tür ging und sich im Verlassen nochmals umdrehte. “Wir sind noch nicht fertig.”

Stille. Nichts, kein Laut drang in diesen Raum, nachdem die Tür verschlossen worden war. Fahrig fuhr sich Albus mit der linken Hand durch die Haare, kniff die Augen zusammen, als er ein Ziehen an den Haarwurzeln bemerkte. Ließ jedoch sofort wieder alles los und atmete tief durch. Mit regelmäßigen, tiefen Atemzügen versuchte er das Pochen an den Schläfen zu vermindern. Doch so recht wollte dies nicht helfen. Immer heftiger dröhnte es in seinem Kopf, schien ein Hammer sich hinter seinen Augen auszutoben.

Ein Wasserglas, das auf einmal vor ihm stand, ließ Albus aufschrecken. Erstaunt sah er auf und erkannte Scorpius Malfoy, der ihn mit starrem Blick ansah. Er stand neben dem Stuhl, auf dem bis vor wenigen Minuten Terry Boot gesessen hatte.

“Trink, es wird dir gut tun”, sagte er leise in einem neutralem Tonfall, vorsichtig die Tür im Auge behaltend.

Zaghaft nahm Albus das Glas in die Hand, hob es zitternd an und trank es eilig leer. Er hatte bisher nicht bemerkt, wie durstig er eigentlich war. Die Kehle war nun zwar mit Feuchtigkeit benetzt, doch so recht schien es nun nur das Gefühl der Trockenheit zu verstärken. Enttäuscht blickte Albus auf den Boden des Glases uns zuckte zusammen, als erneut ein Schmerz durch seine Schläfen fuhr.

Resignierend schüttelte Scorpius den Kopf ehe er sich abwandte und den Raum wieder verließ. Verwirrt sah Albus ihm hinterher als er auch schon ein merkwürdiges Ziehen in seinem Magen bemerkte. Übelkeit bahnte sich ihren Weg, ließ ihn schwindlig werden. Sich die Hand vor den Mund haltend versuchte Albus seinen Magen zu beruhigen. Es gab nur wenige Dinge, auf die er so reagierte. Eines waren Jobberknoll-Federn. Entsetzt sah Albus auf, starrte zu der Tür. Das konnte nicht sein, warum hatte Scorpius ihm solch einen Trank verabreicht?

Erneut öffnete sich die Tür und Terry Boot betrat zusammen mit Roger Davies den Raum. Schwungvoll drehte Terry den Stuhl herum und ließ sich schwerfällig auf diesem nieder. Roger blieb etwas zurück, drehte sich zu dem großen Spiegel, der in der Wand eingelassen war, zupfte eine Haarsträhne zu Recht, ehe er sich Albus zuwandte.

“Wo waren Sie gestern Abend?”, fragte er.

Albus merkte, wie sich die Worte ihren Weg aus seiner Kehle hinausdrängten. Er hätte sie nicht aufhalten können, zu sehr kämpfte er mit der Übelkeit, die unaufhörlich in seinem Innersten aufbegehrte.

“Im Seven.”

“Und dort haben sie Mister Zabini getroffen?”, stellte Roger die nächste Frage, während Terry nervös mit seinen Fingern auf der Stuhllehne trommelte.

“Ja”, antwortete Albus gepresst, massierte seine Schläfen, versuchte das Trommeln zu ignorieren. Die Augen schließend versucht er den Würgereflex zu unterdrücken.

“Sieh uns gefälligst an, wenn wir mit dir reden”, donnerte Terrys Stimme durch den Raum, schien von den Wänden widerzuhallen.

Ängstlich sah Albus auf, hielt die Hand vor den Mund, verkrampfte beinahe, während er versuchte den Magen zu beruhigen.

“Terry, ist schon gut”, sprach Roger ruhig und wandte sich wieder zu Albus. “Über was habt ihr euch unterhalten?”

“Er”, Albus stockte, kämpfte die Übelkeit nieder. “Er wollte, dass ich ihn begleite.” Die Erinnerung an die Unterhaltung war gegenwärtig und alles andere als beruhigend.

Roger sah erwartungsvoll zu Albus, forderte ihn auf, weiter zu erzählen. “Wohin begleiten?”

Albus sah zwischen den Auroren hin und her, suchte einen Ausweg. Er wollte nicht, nein, er konnte nicht die ganze Wahrheit sagen. Und doch, jedes einzelne Wort fand seinen Weg in seinen Mund, sprudelte regelrecht hinaus. Und gleichzeitig bemerkte er, dass die Übelkeit nach ließ, sein Magen sich beruhigte, die Federn des Jobberknoll ihre Wirkung verloren. Erleichternd fing er an zu erzählen.

“Er wollte wohl noch etwas Essen gehen und hatte mich gefragt, ob ich mitkommen würde.”

“Wieso fragte er Sie?”, fragte Roger nach.

“Das … Das weiß ich nicht”, die Antwort kam leichter über Albus Lippen, als er gedacht hatte.

“Warum hat er Sie einladen wollen? Er hat Sie doch eingeladen?”

“Er”, Albus unterbrach sich. “Kann ich ein Glas Wasser bekommen?”

Roger nickte und es erschien ein Glas auf dem Tisch.

“Und?”, forderte Roger Albus auf, weiter zu sprechen.

Der junge Mann stellte das Glas wieder auf den Tisch und schluckte den letzten Tropfen hinunter.

“Er hatte mich eingeladen”, nickte Albus.

“Und Sie haben abgelehnt? Warum?”

“Ich… Er ist … Er könnte mein Vater sein”, Albus schüttelte sich, sah wieder die Bilder des Abends vor sich, wie Blaise Zabini versucht hatte, sich ihm zu nähern.

“Hör auf zu lügen”, brüllte Terry Bott Albus an und schleuderte den Stuhl zu Boden. “Drück dich nicht drum herum. Ihr hattet eine Affäre und er hat dich gestern Abend abserviert. Und erzähl nicht solche Lügen. Ihr wurdet gesehen, wie ihr euch im Seven gestritten habt.”

Terry hob abwehrend die Hand als Albus zum Sprechen ansetzte.

“Oh nein, du hast ihn die ganze Zeit im Seven beobachtet und als er dann nach Hause ging, hast du ihm aufgelauert. Was ist das da?”, Terry deutete auf die Hosen von Albus. “Sag mir, was sind das da für Flecken? Ich kann es dir sagen. Das ist Blut. Das ist das Blut von Blaise Zabini.”

“Das… das”, hilfesuchend blickte Albus zu Roger Davies ehe er leise vor sich hinmurmelte. “Ich weiß es nicht.”

Bilder tauchten vor ihm auf, und er sah seine Hände, sah seine Hände, die rot waren. Blutig. Überall war Blut. Entsetzt starrte Albus nun auf seine Hände, schaute auf während sich eine Träne ihren Weg bahnte, langsam über seine Wange lief.

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